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28. September 2016

Du, die zur Gabe ich mir erkor,
lächelst aus Dornen freundlich hervor









"Rose, wie bist du reizend und mild!
Du bist der Unschuld liebliches Bild.
Rose, du trinkest himmlischen Tau,
schmückest den Busen, Garten und Au.
Du, die zur Gabe ich mir erkor,
lächelst aus Dornen freundlich hervor.
Sendest noch sterbend Düfte uns zu.
Rose, du Holde!
Leben und sterben will ich wie du."



Johann Jakob Ihle
(1702 - 1774)



27. September 2016

Rosen begrüssen dich hold noch









"Es lacht in dem steigenden jahr dir
Der duft aus dem garten noch leis.
Flicht in dem flatternden haar dir
Eppich und ehrenpreis.

Die wehende saat ist wie gold noch ·
Vielleicht nicht so hoch mehr und reich ·
Rosen begrüssen dich hold noch ·
Ward auch ihr glanz etwas bleich.

Verschweigen wir was uns verwehrt ist ·
Geloben wir glücklich zu sein
Wenn auch nicht mehr uns beschert ist
Als noch ein rundgang zu zwein."



Stefan George
1868 - 1933


21. September 2016

Rose der Erinnerung








Der Rose inniglicher Duft entschwand,
es ging die frische Farbenglut verbleichen;
sie ruht so blaß und starr in meiner Hand,
des Unverwelklichen ein welkes Zeichen.

Des Unverwelklichen? – sie rauscht so bang,
will meine Hand die Rose wieder wecken;
als wär es ein prophetisch trüber Klang,
hör ich den Laut mit heimlichem Erschrecken.

O Rose der Erinnerung geweiht!
Mir dünket deiner welken Blätter Rauschen
ein leises Schreiten der Vergänglichkeit,
hörbar geworden plötzlich meinem Lauschen! 


aus "Die Rose der Erinnerung" 
von Nikolaus Lenau
(1802 – 1850)

18. September 2016

wie lange währt das Leben der Rose?









"Ich fragte:
'Wie lang währt das Leben der Rose?'
Die Knospe vernahm es
und lächelte nur."

Mîr Taqî Mir
1724 - 1810



14. September 2016

tröstlich auf der Lebensreise







"Daß es doch immer wieder Rosen gibt,
das ist so tröstlich auf der Lebensreise;
sie stehn am Wege und sie grüßen leise,
und keine Sorg' und Mühe darf dich reuen,
solange Rosen noch dein Herz erfreuen.
Daß es doch immer wieder Rosen gibt,
das ist so tröstlich auf der Lebensreise."


Theodor Storm
14. September 1817 - 4. Juli 1888


13. September 2016

"erfaßt dich Sehnsucht?"








" ... wir ließen die Rosen am Strauch verglühn,
nun ist die Zeit, da die Herbstastern blühn -
du siehst sie kaum -
zur schimmernden Ferne schweift still dein Blick,
erfaßt dich Sehnsucht? Ahnst du das Glück?

Lockt dich ein Traum? ..."



(Leon Vandersee eigtl. Helene von Tiedemann)




9. September 2016

1. September 2016

es beginnen die Spätsommertage







" ... aber es gibt einen Anfang des Herbstes, den spürt man in der Luft; es hat da so einen kleinen Ruck gegeben – ›knack‹ hat es in der Natur gemacht, und nun ist auf einmal kein Sommer mehr, nun ist da etwas Neues.

Die Luft steht still.

Die Bäume stehen still und rühren sich nicht in der milden, schon eine Spur herben Sonne. Sie warten. Alles wartet auf etwas. Die Schatten im Laub sind dunkler, die Schatten in den Mauerwinkeln, wo die Spatzen wohnen, sind schwärzer, das Licht goldener, die Luft blauer, härter, klarer. Es beginnen die Spätsommertage, jene Tage, die man festhalten möchte, und bei denen man nicht genau weiß, wo der Sommer aufhört und der Herbst beginnt . . . "


aus einem Text von Kurt Tucholsky (1890 – 1935)