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29. Juli 2016

wie wunderbar










"Wie wunderbar:
aus tiefsattem, köstlichstem,
noch taublättrigem, noch taufeuchtem,
noch tauglitzerigem Dunkelglanzgrün,
flimmernd, schimmernd, glimmernd,
mitten im schattenkühlen, ebenerdigen,
ein rebenkletterumhangenen Gartenhausraum,
Rosen!
Ein ganzer großer, wundervoller, prachtender, prahlender,
prangender, strahlender, stolz-stattlicher Strauß!
Weiße, gelbe, lichtnußbraune, rote, zarte, blasse,
rührend sanftrosaknospende, fast mystisch,
schwarzblau, samtschwer schillernde und feuerigst,
traumhaft, rauschherrlichst lodernde aus wildem,
aus üppigstem, aus prunkendstem Orange!
Langsam, zauberisch ... wie ... mich bannend,
zog es mich näher.
Ah, wie das herzduftete!
Ah, wie das seelendurchfrohte!
Ah, wie das wohl ... tat!"



aus
"Morgendlicher Rosenstrauß"
von Arno Holz

27. Juli 2016

fragt nicht, ob man sie siehet












"Die Rose ist ohne Warum.
Sie blühet, weil sie blühet.
Sie achtet nicht ihrer selbst, 
fragt nicht, ob man sie siehet."




Angelus Silesius
(1624 -1677)




26. Juli 2016

laufe aus aus dem sicheren Hafen








"In zwanzig Jahren wirst du mehr enttäuscht sein über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die Dinge, die du getan hast. Also löse die Knoten, laufe aus aus dem sicheren Hafen. Erfasse die Passatwinde mit deinen Segeln. Erforsche. Träume."


Mark Twain (1835 - 1910)

21. Juli 2016

viel seltsam Zartes








"Nun aber weißt du, wie sich das vergißt:
denn vor dir steht die volle Rosenschale,
die unvergeßlich ist und angefüllt
mit jenem Äußersten von Sein und Neigen,
Hinhalten, Niemals-Gebenkönnen, Dastehn,
das unser sein mag: Äußerstes auch uns ..."


Lautloses Leben, Aufgehn ohne Ende,
Raum-brauchen ohne Raum von jenem Raum
zu nehmen, den die Dinge rings verringern,
fast nicht Umrissen-sein wie Ausgespartes
und lauter Inneres, viel seltsam Zartes
und Sich-bescheinendes – bis an den Rand:
ist irgend etwas uns bekannt wie dies?"




aus "Die Rosenschale" von Rainer Maria Rilke

20. Juli 2016

Morgen-Sonne









"Da uns die Schönheit einer Welt,
wenn sie die Morgen-Sonne schmücket,
so unvergleichlich wohlgefällt,
und aus uns selber setzt, ja ganz entzücket ..."



Barthold Heinrich Brockes
(1680 - 1747)

13. Juli 2016

sieh, wie sie leuchtet, wie sie üppig steht, die Rose









"Sieh, wie sie leuchtet,
wie sie üppig steht,
die Rose. -
Welch satter Duft zu dir hinüberweht!
Doch lose
nur haftet ihre Pracht –

streift deine Lust sie,
hältst du über Nacht
die welken Blätter in der heißen Hand …"


Thekla Lingen
(1866 - 1931)







11. Juli 2016

die Fülle des Gefühles






































"Die Rose lächelte mich an, und von den süßen Strahlen
ging mir im stillen Herzen auf ein Drang zu süßem Flehen.
Die Rose trug, in Duft gehüllt, die Fülle des Gefühles,
sich unbekannt; mein Seufzer kam, den Schleier wegzuwehen.
Und wie sie sah vor ihrem Blick den Abgrund ew'ger Liebe
im eignen Herzen, bebte sie darinnen zu vergehen."



Friedrich Rückert (1788 - 1866) 



10. Juli 2016

ihr ewigen Gedanken des Himmels









"Und immer wieder,
wenn ich mich müde gesehn
an der Menschen Gesichtern,
so vielen Spiegeln
unsäglicher Torheit,
hob ich das Aug
über die Häuser und Bäume
empor zu euch,
ihr ewigen Gedanken des Himmels.
Und eure Größe und Freiheit
erlöste mich immer wieder,
und ich dachte mit euch
über Länder und Meere hinweg
und hing mit euch
überm Abgrund Unendlichkeit
und zerging zuletzt
wie Dunst,
wenn ich ohn' Maßen
den Samen der Sterne
fliegen sah
über die Äcker
der unergründlichen Tiefen."





"An die Wolken"
von Christian Morgenstern



9. Juli 2016

"der Rosen Fülle seh' ich allorts"









" ... hat sein Mund mit letztem heißen Abschiedskuss die Rose, die rote Sommerrose, aufgebrochen, dann will ich zu dir kommen und mit Rosen, mit roten Rosen deine Schönheit krönen ... nun kam der Sommer ... und der Rosen Fülle seh' ich allorts und alle Stunde blühen ... die ganze Welt scheint ihrer Macht verfallen ..."


Hermann Conradi (1862 - 1890



8. Juli 2016

"komm, trag Rosen!"








"'Trag Rosen! komm, trag Rosen!' ... und seine Stimme klang wie das Locken erhaltener Liebe, die das Herz sprengen möchte und jauchzen und hinausjubeln in den Sonnenschein über Hag und Gärten: 'Trag Rosen! komm, trag Rosen!' und küsste die Dornen mit brennenden Lippen und drückte sie an sein hämmerndes Herz bis es blutete, und bat ... noch im Traum selbst bei Nacht voll zitternder Sehnsucht und Angst: 'Trag Rosen! komm, trag Rosen!' ..."

Cäsar Flaischlen (1864 - 1920)




5. Juli 2016

demandez à la mer immense








"demandez à la mer immense
de dessécher ses vastes flots,
et, quand les vents sont en démence,
d'apaiser ses sombres sanglots ..."





Charles Jean Grandmougin (1850 - 1930)




4. Juli 2016

Garten-Geschenke









" ... jeder liebt irgendwas, und ich kenne keine anderen Lieblingsdinge, von welchen man so wesentliche und unfehlbare Geschenke zurückbekommt ... wie von einem Garten ..." 



 Elizabeth von Arnim (1866 - 1941)

3. Juli 2016

"und freier jetzt vom hellen Licht umwaltet,
und inniger durchströmt vom blauen Wehn ...





... lässt reicher stets und üppiger entfaltet
der volle Kelch die irren Tiefen sehn ..." 


aus dem Gedicht "Die Rose"
von Ernst Schulze (1789 - 1817)

2. Juli 2016

was da ist, war noch nie,
was da war - kommt nicht wieder -










"Die ganze Natur ist eine Melodie,
in der eine tiefe Harmonie verborgen ist.
Die Natur schafft ewig neue Gestalten;
was da ist, war noch nie,
was da war – kommt nicht wieder – 
alles ist neu und dennoch immer das Alte."

Johann Wolfgang von Goethe



1. Juli 2016

lieblich zittert's drinnen ...
wie heller Thau, wie Duft und Morgenlicht








" ... dort steht umhegt im reinlich glatten Raume im Zauberschlaf der Rose blühend Bild. Nie sinkt der Thau von ihrer Blätter Saume, stets säuseln dort die Lüfte lau und mild; und wie sich oft im friedlich leisen Traume des Kindes Mund mit süßem Lächeln füllt, so sieht man sanft das schlummernd wache Leben mit leichtem Glanz um ihre Blätter schweben.

Und bunter stets verschweben und zerrinnen, wie Welle sich an Welle spielend bricht, die Klänge jetzt, und lieblich zittert's drinnen, wie heller Thau, wie Duft und Morgenlicht. Gestalt und Form strebt alles zu gewinnen, und blühend tritt ins Leben das Gedicht. Denn was das Herz einst tief und wahr empfunden, das lebt, und bleibt dem großen All verbunden ..."


aus einem Gedicht von Ernst Schulze (1789 - 1817)