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27. Februar 2016

Warten









"Am Ende wird alles gut.
Wenn es nicht gut wird,
ist es noch nicht das Ende."

Oscar Wilde









"Phidylé" von Henri Duparc (1848 - 1933)


L'herbe est molle au sommeil sous les frais peupliers,
Aux pentes des sources moussues,
Qui dans les prés en fleur germant par mille issues,
Se perdent sous les noirs halliers.


Repose, ô Phidylé! Midi sur les feuillages
Rayonne et t'invite au sommeil.
Par le trèfle et le thym, seules, en plein soleil,
Chantent les abeilles volages.


Un chaud parfum circule au détour des sentiers,
La rouge fleur des blés s'incline,
Et les oiseaux, rasant de l'aile la colline,
Cherchent l'ombre des églantiers.


Les taillis sont muets; le daim, par les clairières,
Devant les meutes aux abois
Ne bondit plus; Diane, assise au fond des bois,
Polit ses flèches meurtrières.


Dors en paix, belle enfant aux rires ingénus,
Aux nymphes agrestes pareille!
De ta bouche au miel pur j'écarterai l'abeille,
Je garantirai tes pieds nus.


Laisse sur ton épaule et ses formes divines,
Comme un or fluide et léger,
Sous mon souffle amoureux courir et voltiger
L'épaisseur de tes tresses fines!


Sans troubler ton repos, sur ton front transparent,
Libre des souples bandelettes,
J'unirai l'hyacinthe aux pâles violettes,
Et la rose au myrte odorant.


Belle comme Érycine aux jardins de Sicile,
Et plus chère à mon coeur jaloux,
Repose! Et j'emplirai du souffle le plus doux
La flûte à mes lèvres docile.


Je charmerai les bois, ô blanche Phidylé,
De ta louange familière;
Et les nymphes, au seuil de leurs grottes de lierre,
En pâliront, le coeur troublé.


Mais, quand l'Astre, incliné sur sa courbe éclatante,
Verra ses ardeurs s'apaiser,
Que ton plus beau sourire et ton meilleur baiser
Me récompensent de l'attente!





25. Februar 2016

ein lichter Punkt in all dem Dunkel








Hero: "Und kommt die Nacht – sie bricht ja wirklich ein. Da ist mein Turm, dort flüstern leise Wellen; und gestern war er da, und heut versprach er. War's gestern auch? Mich deucht es wär' so lang. Mein Haupt ist schwer, die wirren Bilder schwimmen. Des Tages Glut, die Sorge jener Nacht, die keine Nacht, ein Tag in Angst und Wachen – das liegt wie Blei auf meinem trüben Sinn. Und doch ein lichter Punkt in all dem Dunkel: er kommt. Gewiß?"


aus Kapitel 11 des Trauerspieles
"Des Meeres und der Liebe Wellen" (1840)
von Franz Grillparzer

(1791 - 1872) 





Ausschnitt aus dem Gemälde
"The Last Watch of Hero"
von Frederic Leighton
(1830 - 1896)

24. Februar 2016

"StreetLyrics"


im Alltag bleiben sie meist unbeachtet, sie werden überfahren und getreten ... die Rede ist von Kanaldeckeln

der Fotokünstler Stephan-Maria Aust gibt ihnen in seinen Fotografien einen Wert, in dem er sie portraitiert; er fängt die Atmosphäre des Moments ein, und aus einem alltäglichen Gegenstand strahlt auch romantische Tiefe; die Schachtabdeckungen selbst und die Umgebung, in der sie sich befinden, erzählen interessante Geschichten

Heike Winter hört diese Geschichten beim Betrachten der Bilder und wandelt sie in Poesie, mal heiter, mal besinnlich, mal aufwühlend und verstörend

daraus ist nun ein wunderbares Buch entstanden ... in "StreetLyrics" Portraits zu unseren Füßen, fokussiert sich das Künstlerpaar auf deutsche und schottische Gullys, für Winter und Aust eine logische Schlussfolgerung, die korrespondierende Lyrik in Deutsch und Schottisch-Gälisch zu verfassen – mit Englisch als verbindende Brückensprache

die Gedichte sind den Kolossen aus Stahl auf den Leib geschrieben, und so kommen einem die Bilder vor wie Schmuckstücke ... wie Relikte aus uralter Zeit, wie mystische Gesellen

ein einzigartiges und gewaltiges Projekt, das seinesgleichen sucht, und so wundert es nicht, dass die beiden zum diesjährigen international wegweisenden Poesie-Festival "StAnza" nach Schottland eingeladen sind






Motiv aufgenommen in Stromness, Orkney-Inseln
(c) Stephan-Maria Aust 































ich habe dich nie gesucht
du hast mich gefunden
hätt’ ich dich gesucht
ich hätt’ dich nie gefunden
(c) Heike Winter



I did not search for you
but yet you have found me
Had I sought you
I would still be lost
(c) Magz Macleod



Cha do shir mi thu
Ach lorg thu mi
Ach nan sirinn thu
Bhithinn fhathast a dhìth
(c) Gillebride Mac IlleMhaoil




(Text und Foto veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Autoren)



22. Februar 2016

mit Hingabe, womöglich mit Freude ...









"Ich habe mich oft gefragt, ob nicht gerade die Tage, die wir gezwungen sind, müßig zu sein, diejenigen sind, die wir in tiefster Tätigkeit verbringen? Ob nicht unser Handeln selbst, wenn es später kommt, nur der letzte Nachklang einer großen Bewegung ist, die in untätigen Tagen in uns geschieht? Jedenfalls ist es sehr wichtig, mit Vertrauen müßig zu sein, mit Hingabe, womöglich mit Freude. Die Tage, da auch unsere Hände sich nicht rühren, sind so ungewöhnlich still, dass es kaum möglich ist, sie zu erleben, ohne vieles zu hören."


Rainer Maria Rilke

21. Februar 2016

wie viele Blicke schickt' ich dir entgegen








"O wär' dein Haus durchsichtig wie ein Glas,
mein Holder, wenn ich mich vorüberstehle!
Dann säh' ich drinnen dich ohn' Unterlass,
wie blickt' ich dann nach dir mit ganzer Seele!
Wie viele Blicke schickte dir mein Herz,
mehr als da Tropfen hat der Fluss im März!
Wie viele Blicke schickt' ich dir entgegen,
mehr als da Tropfen niedersprühn im Regen!"


Strophe aus "Italienisches Liederbuch" von Hugo Wolf (1860 - 1903),
übersetzt von Paul Heyse (1830 - 1914)



19. Februar 2016

c'est vrai











"Man muss sich beeilen,
wenn man etwas sehen will,
alles verschwindet."


Paul Cézanne
(1839 - 1906)




14. Februar 2016

wenn die Märchenfrau erzählt ...









" ... da lag es und war so schön, dass er die Augen nicht abwenden konnte, und er bückte sich und gab ihm einen Kuss ... wie er es mit dem Kuss berührt hatte, schlug Dornröschen die Augen auf, erwachte und blickte ihn ganz freundlich an ..."

aus dem Märchen "Dornröschen" der Gebrüder Grimm








"Es schleicht durch meine Einsamkeit
ein Sehnen abendmild.
Ich will ein Leben schaffen,
ein warmes Menschenbild.
Es soll in Gärten wohnen,
wo nie der Sommer reift,
in Hallen soll es thronen,
die nie ein Laut gestreift.
Ich will ins Blut ihm senken
mein eigen warmes Herz,
will ihm mein Lachen schenken,
mein Schweigen, meinen Schmerz.
Du Lichtkind meiner Träume
wirst mir Vergessen geben,
in meinen Sehnsuchtdornen
wirst du als Rose leben.
Dornröschen, Sehnsuchtrose,
du sollst zur Sonne klagen,
du sollst durch Schloß und Garten
in unbewußtem Erwarten
mein Sehnen mit dir tragen ..."

"Der Dichter" aus "Dornröschen" von Max Dauthendey (1867 - 1918)





5. Februar 2016

wie zärtlich aufgehauchte Küsse



welche Wonne, im Regen zu laufen ... 

das Gesicht währenddessen gen Himmel richten
und bewusst die weichen Tropfen auf der Haut
empfangen wie zärtlich aufgehauchte Küsse ...





"Wär' ich der Regen,
ich wollte mich legen
der Erde ans Herz ..."

aus dem Gedicht "Sehnsucht"
von Julius Mosen 
(1803 - 1867)