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8. Dezember 2016

nur ihre rose steht in frischem glantz allein








"Sie, dennoch sie, mein licht! sie wil beständig seyn.
Ob die zeit sich gleich verändert und die sonne sich versteckt
Und die wüsten felder trauren und das feld mit schnee bedeckt,
Sie dennoch (wie sie schreibt) geht kein verändern ein. 
Die bäume sind entblößt, das wasser hart als stein, 
Der palläste göldne spitzen sind mit grauem reiffleckt, 
Aller blumen welcke blätter, die durchbeiste kält erschreckt. 
Nur ihre rose steht in frischem glantz allein; 
Warum doch wil ich hier verziehen, 
Wo nichts denn unlust ist und kalte winter-lufft, 
Weil sie mir noch, mein licht! zu ihren rosen rufft? 
Ade! ich muss von hinnen fliehen.
Wer länger schmachten wil in scharffer frostes-pein, 
Wenn ihm der frühling rufft, muss es nicht würdig seyn." 


Andreas Gryphius (1616 - 1664)

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O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!
Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)