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21. Juni 2016

"Du wirst leben in meinen Worten!"



erinnern möchte ich heute an


Walter Hasenclever (klick) 


* 8. Juli 1890

+ 21. Juni 1940

ein expressionistischer Schriftsteller,
der leider ein wenig in Vergessenheit gerät






"Einmal wird die Stunde kommen,
Die Stunde des Wiedersehens der Geister,
Wenn Dein Herz, einst an mich gekettet,
Nun verweht in Staub oder Blüte,
Leise im Frühjahr der Verwandlung
Pocht hinauf an des Äthers Spur.
Werden wir leben? Werden wir weinen?
Wird die schimmernde Wolke hell sein?
Dämmert im Abend des Versinkens
Noch ein Traum von unserem Glück?
Einmal wird die Stunde kommen,
Der Himmel des unermeßlichen Reiches;
Nur die Nacht der kalten Verwesung
Modert ruhig im Sternenblau.


Ich schreibe die Zeilen des Gedichtes.
Auf den Leib deines Briefes, Geliebte.
Das Blut der Worte beginnt zu fließen,
Es steigt ein Körper aus meinem Gedicht.
Bald sind wir Blätter, bald sind wir Tränen,
Gehaucht, verwüstet, hinabgeflossen;
Bald sind wir Worte, verzaubert in Schrift.
Du wirst leben in meinen Worten!
Diese Zeilen sind Deine Haare,
Diese Verse sind das Herz."




es lohnt sich,
bei deutsche-liebeslyrik (klick) vorbeizuschauen;
dort findet sich eine Auswahl seiner Liebesgedichte!





"Im Wind
Deines Herzens
Fallen Tropfen;
Ich sitze am Strom.
Ich will warten,
Bis Du kommst;
Die Welle finden, die Dich führt, 
Den Stern
Wo die Seele mündet, 
Wenn wir am gleichen Tag uns begegnen, 
Geliebte, einst
Zu unserm Schicksal."



1 Kommentar:


O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!
Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)