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6. Mai 2016

ringsum lag's wartend still








"Der stille Tag spann gold'ne linde Fäden ... ein Seidennetz, das unsre Frühlingserde dem Himmel nah' zog. Und vom Himmel strich ein ferner, frommer, ahnungsbanger Hauch darüber hin

... und immer musst' ich denken ... an jenes Märchen denken ... thöricht ... schön ... von Palmengärten, Engeln, süssem Frieden in Gottes wunderliebem Himmelreich

... ringsum lag's wartend still ... die Halme wehten und sinnend goss die Sonne ihren Blick auf leuchtend grüne, leisbewegte Wälder, und auf verträumte weite Fluren hin, und alles lag in goldverklärter Schöne, in Erdenschöne. Von der Erde wob ein grünes Athmen schwellend herben Lebens darüber hin. Es war, es war als ob die lebensheisse, ewig irre Erde aufseufzend innehielt' in tollem Lauf ... sich an des Himmels weite Brust zu schmiegen, das müde Herz in blauen Traum zu wiegen ..." 



aus einem Gedicht von Lisa Baumfeld (1877 - 1897)

1 Kommentar:

  1. Was soll ich sagen... ... Bild und Text einfach traumhaft! Gelungen, an diese Lyrikerin zu erinnern.
    Mit sonnigen Grüßen, Heidrun

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O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!
Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)