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22. September 2014

wie ... Nichtmehrgetragenes,
dem nichts mehr geschieht ...







So wie das letzte Grün in Farbentiegeln
sind diese Blätter, trocken, stumpf und rauh,
hinter den Blütendolden, die ein Blau
nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.

Sie spiegeln es verweint und ungenau,
als wollten sie es wiederum verlieren,
und wie in alten blauen Briefpapieren
ist Gelb in ihnen, Violett und Grau;

Verwaschnes wie an einer Kinderschürze,
Nichtmehrgetragnes, dem nichts mehr geschieht:
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze. 

aus einem Gedicht von Rainer Maria Rilke





Kommentare:

  1. Doch plötzlich scheint das Blau
    sich zu verneuen
    in einer von den Dolden,
    und man sieht ein rührend
    Blaues sich vor Grünem freuen.
    "DANKE" meine Liebe herzlichst Gisy

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  2. ❤...RILKE und Dein Blog => himmlischschööön ;-)

    Annette *fföhlicheGRÜßchendazustell*

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O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!
Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)