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21. April 2013

angenehmes Frühlingskindchen,
kleines Traubenhyazinthchen ...


in den letzten Jahren haben sich die Traubenhyazinthen in unserem Garten sehr stark vermehrt, so dass sie nicht nur im Beet neben anderen Frühblühern, sondern mittlerweile auch überall im Rasen verteilt wachsen

da dieser nun Anfang der kommenden Woche zum ersten Mal geschnitten wird, und sie dabei dem Rasenmäher zum Opfer fallen würden, habe ich mir heute morgen sodann, ohne schlechtes Gewissen, welche abgepflückt und zum Sonntags-Sträußchen gebunden, mit dem ich Euch alle an dieser Stelle sehr herzlich grüße









Angenehmes Frühlingskindchen,
kleines Traubenhyazinthchen,
deiner Farb und Bildung Zier
zeiget mit Verwundrung mir
von der bildenden Natur
eine neue Schönheitsspur.









An des Stengels blauer Spitzen
sieht man, wenn man billig sieht,

deiner sonderbaren Blüt
kleine blaue Kugeln sitzen,
dran, so lange sich ihr Blatt
noch nicht aufgeschlossen hat,
wie ein Purpurstern sie schmücket,
man nicht sonder Lust erblicket.








Aber wie von ungefähr
meine Blicke hin und her

auf die offnen Blumen liefen,
konnt ich in den blauen Tiefen
wie aus himmelblauen Höhen
silberweiße Sternchen sehen,
die in einer blauen Nacht,
so sie rings bedeckt, im Dunkeln
mit dadurch erhöhter Pracht
noch um desto heller funkeln.








Ihre so zierliches Gepränge,
ihre Nettigkeit und Menge,

die die blauen Tiefen füllt,
schiene mir des Himmels Bild,
welches meine Seele rührte
und durch dieser Sternen Schein,
die so zierlich, rein und klein,
mich zum Herrn der Sterne führte,
dessen unumschränkte Macht
aller Himmel tiefe Meere,
aller Welt- und Sonnen Heere
durch ein Wort hervorgebracht; dem es ja so leicht, die Pracht
in den himmlischen Gefilden
als die Sternchen hier zu bilden.









Durch dein sternenförmig Wesen
gibst du mir, beliebte Blume,

ein' Erinnerung zu lesen,
daß wir seiner nicht vergessen,
sondern in den schönen Werken
seine Gegenwart bemerken,
seine weise Macht ermessen
und sie wie in jenen Höhen
so auf Erden auch zu sehen.











Gedicht
"Die Traubenhyazinthe"
von Barthold Hinrich Brockes
(1680 - 1747)




Kommentare:

  1. Liebe Rosabella
    Mit diesem wunderschönen Gedicht hast du den fantastischen Fotos deiner Traubenhyazinthen einen tollen Rahmen gegeben. Ich wünsche, sie würden sich bei uns auch so verbreiten. Hm, was da wohl schief läuft?
    Ich wünsche dir einen gemütlichen Sonntag und schick liebe Grüsse
    Ida
    ... übrigens habe ich auch deinen "zufälligen" Bilder von gestern bestaunt. So schöööön!

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  2. Was für eine Hymne ist diesen kleinen Blümchen gewidmet! Und deine Fotos - auch eine Hymne!

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  3. Liebe Rosabelle,

    wunderschöne, zarte und poetische Fotografien von Dir zieren dieses feine Gesicht. Mein grosses Kompliment...

    Liebe Grüsse von mir zu Dir

    Hans-Peter

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  4. Hallo Rosabella
    ich mag die Traubenhyazinthe auch sehr und bei mir wachsen sie auch überall im Garten und besonders unter der Forsythie wo sie mir besonders als Kontrast zu gelb gefallen! und natürlich habe ich auch wieder einige in den Töpfen als Frühjahrsblüher, welche dann im Mai in die Erde versetzt werden um im kommenden Jahr in der freien Natur aufzublühen!
    Liebe Grüsse, Moni

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  5. Was für ein zauberhaftes Gedicht meine Liebe gerahmt von wunderschönen Fotos.

    Liebe Grüße
    Angelika

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  6. Ach, wie schön, hat mich sehr gerührt...

    Liebste Grüße zu dir :-)

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  7. ♥...freu ;-)
    sende DIR frühlingsfrische Wochenanfangsgrüßchen!

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  8. Ach wie schön das Gedicht mit bildlicher Umrahmung....Seelenbalsam danke liebe Rosabella

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  9. Jedes Jahr freue ich mich auf die Rückkehr der kleinen Blauen. Auch wenn ein paar weiße in den Jahren dazugekommen sind, hängt mein Herz doch an den blauen Hyazinthen besonders.

    Liebe Grüße

    Anke

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O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!
Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)