1. November 2012

zärtlich weiße Chrysanthemen







Zärtlich weiße Chrysanthemen
welche Licht und Dunkel nehmen
wie ein seidnes Kleid in warmen
Armen eines roten Sessels,
scheinen Wunder zu bedeuten:
ihre feinen Blütenblätter, die sich schämen,
zähmen silbernes Gelächters Läuten,
schauen schüchtern nach der dunklen Mitte:
ihr Geschlossensein ist eine Bitte
gegen Blicke, welche hastig nehmen;
aber solchen, die mit einem bangem Zagen
diese silberlichten Mädchen fragen,
sind sie wie geliebte Augen offen:
fern in ihnen weiße Seelen schimmern
wie der Mövenflügel weiches Flimmern,
die ein Sonnenstrahl im Flug getroffen.
 
 Siegfried Kawerau (1886 - 1936)

Kommentare:

  1. wunderschöne Bilder und den Titel hätte man nicht besser wählen können!

    Viele Grüße von tatjana

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  2. Die Zeilen erfassen vollkommen das Wesen dieser Blüte. Wunderschön, liebe Rosabella!

    Herzliche Grüße

    Anke

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  3. Ein wunderbarer Chrysanthemen Post!
    Ich freue mich, dass ich in der Chrysanthemenzeit geboren bin!

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  4. Hallo,meine Liebe
    so rein und zart der heutige Chrysanthemen Post..eigentlich ist sie ja kein zartes Blümli..aber Du hast sie so bezauberd präsentiert..hab noch einen schönen Tag und eine gute Restwoche..mit herzlichen Grüßen Gisy

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  5. Deine Präsentation der Chrysanthemen ist wieder mal zauberhaft! Und der Text dazu - rundet das Bild vortrefflich ab.
    LG joelsuma

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  6. Oh Rosabella,
    dieser Post - ein Gedicht! Bin ganz verzückt! Habt Ihr das alle gelesen? - "... diese silberlichten Mädchen ..." heißt es hier - gemeint sind die weißen Chrysanthemen und Rosabella lässt zudem diese Worte zu Bildern werden, indem sie so einen süßen kleinen Rahmen hinzufügt, der "silberlichten" ein Mädchen umkreist. Du lässt Worte wahr werden. Meisterhaft!!! Danke! Herzlichst, Deine Carola

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O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!
Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)