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24. Juni 2012

Johanni


"Wenn Johannis ist geboren,
gehen die langen Tage verloren."




















 


Himmel, Erde schaffenstrunken.
Noch die Nächte schlürfen lechzend
des erschöpften Tages Helle,
bleiches Dunkel atmet Funken,
und das Spätlicht schleppt sich ächzend
durch die Mittnacht,
zu des jungen Tages Schwelle.
Sonnenfeuer kochen Säfte.
Blütenzarte dort versengt.
Aus dem weichen Maienkosen
drängen willenstarke Kräfte,
und die Sommerreife senkt
sinnend ihre ernsten Rosen.
Satt zerrann das Frühlingsgirren,
grimme Sensenhiebe klirren,
Halme seufzen, in der Luft,
von Vergänglichkeit umwittert,
wanket schwermutweher Duft,
– und das stolze Leben zittert.


Gedicht "Johanni" von Max Dauthendey (1867 – 1918)

Kommentare:

  1. Liebe Rosabella, ein wunderschönes Foto von Dir zu einem fantstischen Gedicht von Max Dauthendey!

    Liebe Grüsse Dir

    Hans-Peter

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  2. Liebe Rosabella,
    danke für die stimmungsvolle Fotografie und das wortgewaltige Gedicht :-)

    Wenn der Sommeranfang, hier am Niederrhein, doch auch so imposant ausschauen würde...

    LG,
    Silke

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  3. Liebe Rosabella
    ein stimmungsvolles Foto...(ein herrlicher Anblick) mit dem Gedicht
    wunderbar..Schönen Sonntag,mit lieben Grüßene Gisy

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  4. Bei uns konnte den Sonnenaufgang nicht sehen, weil alles bedeckt war. Du hast einen schönen Blick empfangen.
    In Lettland ist die Sommersonnenwende - heisst Līgo Tag(23.Juni)und Jāņu Tag (24.Juni der Johannistag)das lustigste Fest. Es wird die ganze Nacht gefeiert, ob nach alten oder neuen Traditionen. Ich habe diesmal nur einige Rituale gemacht. Den Sonnenaufgang habe ich leider nicht erwartet. Aber wir haben die Blumenkränze gepflechtet.

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  5. Ich liebe die Gedichte von Max Dauthendey
    und auch dieses Zitat:

    „Ein Herz, das in Liebe zu Deinem Herzen hält,
    nimmt von Dir die Dunkelheit der Welt.“

    ...herrlichstimmungsvolles Foto,
    und ups,
    schon werden die Tage wieder kürzer! *♥Sonntagabendseufzer*

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  6. Danke für dein Kommentar zu meinem Störchenpost. Heute bauen sie weiter ihr Nest.
    Den ersten Kranz habe ich gepflechtet und den zweiten meine Tochter selbst von Anfang bis zum Ende. Obwohl er etwas zu weich gepflechtet ist, hat sie zum ersten Mal alles selbst gemacht.

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O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!
Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)