optimale Seiten-Darstellung bei einer Auflösung von 1280 x 1024 px



21. März 2012

Poesie

Jener Strahl der, Licht und Flamme,
keiner Farbe zugetan,
und doch, über alles gleitend
tausend Farben zündet an,
jedes Recht und keines Eigen. –
Die Kleinode nenn' ich dir:
den Türkis, den Amethisten,
und der Perle edle Zier.

Poesie gleicht dem Türkise,
Dessen frommes Auge bricht,
Wenn verborgner Säure Brodem
Nahte seinem reinen Licht;
dessen Ursprung keiner kündet,
der wie Himmelsgabe kam,
und des Himmels milde Bläue
sich zum milden Zeichen nahm.

Und sie gleicht dem Amethisten,
der sein veilchenblau Gewand
läßt zu schnödem Grau erblassen
an des Ungetreuen Hand;
der, gemeinen Götzen frönend,
sinkt zu niedren Steines Art,
und nur einer Flamme dienend
Seinen edlen Glanz bewahrt;

Gleicht der Perle auch, der zarten,
am Gesunden tauig klar,
aber saugend, was da Krankes
in geheimsten Adern war;
sahst du niemals ihre Schimmer
grünlich, wie ein modernd Tuch?
Eine Perle bleibt es immer,
aber die ein Siecher trug.


aus dem Gedicht "Poesie"
von Annette von Droste-Hülshoff (1797 - 1848)








heute ist







"Poesie ist die Muttersprache
des Menschengeschlechts."


Johann Gottfried von Herder
(1744 - 1803)

Kommentare:

  1. Danke liebe Rosabella, dass Du diesen Tag heut mit einem so wunderbaren Post ehrst...

    Herzlichst und alles Liebe

    Hans-Peter

    Tausend Sterne

    In der Nacht ganz still und leise
    Nur der Mond der schaut zu
    Schweben sie sanft auf ihre Weise

    Tausend Sterne schön und hell
    Schweben auf unsere Erde nieder
    Ganz heimlich still und schnell

    Sie glitzern im ersten Morgenlicht
    Verwandeln sich wie durch Zauberei
    In Nebelchen ganz zart und schlicht

    Tausend Sterne schön und hell
    Schweben auf unsere Erde nieder
    Ganz heimlich still und schnell

    Funkeln im gleißenden Sonnenlicht
    Als wär's ein weites Sternenmeer
    Das sich auf sanften Wellen bricht

    Tausend Sterne schön und hell
    Schweben hinauf zum Himmelszelt
    Glitzernd funkelnd still und schnell

    Hell glitzern sie in klarer Nacht
    Die tausend kleinen Sterne
    Verzaubern uns mit ihrer Pracht

    Am frühen Morgen dann ganz leise
    Nur der Mond schaut heimlich zu
    Schweben sie wieder sanft auf ihre weise
    Zu uns Menschen auf die Erde zu

    © Hans-Peter Zürcher

    AntwortenLöschen
  2. Ohne die Poesie ist das Leben traurig. Deshalb einen lieben Dankesgruß für den heutigen Post.

    Herzlichst

    Anke

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Rosabella,

    Sehr gut um es mal im Blog zu nennen! Es ist die Sprache der Seele.
    Lieber Gruss,

    Mariette

    AntwortenLöschen
  4. Richtig, ich wollte noch mit einem Gedicht antworten, und zwar von Fontane, also hier ist es:

    Fontane Theodor

    Trost

    Tröste dich, die Stunden eilen,
    Und was all dich drücken mag.
    Auch das Schlimmste kann nicht weilen,
    Und es kommt ein andrer Tag.

    In dem ew'gen Kommen, Schwinden,
    Wie der Schmerz liegt auch das Glück,
    Und auch heitre Bilder finden
    Ihren Weg zu dir zurück.

    Harre, hoffe. Nicht vergebens
    Zählest du der Stunden Schlag,
    Wechsel ist das Los des Lebens,
    Und - es kommt ein andrer Tag.

    AntwortenLöschen


O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!
Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)