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9. März 2012

erinnern möchte ich heute an
Peter Altenberg (eigtl. Richard Engländer)

österreichischer Schriftsteller und Lebenskünstler

9. März 1859 - 8. Januar 1919







Peter Altenberg im Jahre 1907



(Abbildung gemeinfrei)





"Mein Leben ist unwichtig.
Aber was davon für die anderen wichtig ist,
ist wichtig."


- Peter Altenberg -







biographische Angaben über diesen Schriftsteller und
eine umfassende Auflistung seiner Werke finden sich
hier






"Ich erwachte gegen Morgen im Badener Hotelzimmer. Der laue Sturm klapperte mit den dürren Winterschoten der Bäume. Einige der Schoten flogen ins Zimmer, surrten über den Parkettboden. Die Türe zum Nebenzimmer stand offen. Man hörte das Mädchen aber nicht. Ich dachte: »Wenn man sie doch nur hörte!« Aber man hörte sie nicht. Die Schoten surrten über den Parkettboden. Ich hoffte, daß sie durch das Geräusch erwache. Aber sie erwachte nicht. Ich schlief ein.

Als ich wieder erwachte, hörte ich sie weinen.

Ich blieb ganz ganz still, versuchte es, ihren Schmerz zu erraten. Aber ich fand ihn nicht. Von unbebauten Feldern, von unbelaubten Wäldern kam Erdgeruch und Holzgeruch. Der laue Nachtsturm hatte sich gelegt.

Ich rief hinüber: »Anna, weshalb weinst du?!?«

Sie erwiderte: »Wegen nichts – – –. Wegen der Nacht und wegen des Morgens und wegen des lauen Sturmes und wegen deiner geliebten Nähe, und wegen des anbrechenden Tages, von dem man nicht wissen kann, was er uns bringen wird – –.«

Die dürren Winterschoten surrten über den Parkettboden im lauen Morgenwinde."

aus "Märchen des Lebens" ("Vorfrühling") von Peter Altenberg










Es riecht bereits nach Veilchen –
aber sie sind noch gar nicht da!

"Vorfrühling" von Peter Altenberg

Kommentare:

  1. Lebenskünstler ist schon mal der, der sich zu damaliger Zeit einen Namen gibt, der ihm besser gefällt: von Richard Engländer zu Peter Altenberg. Oder musste man auch damals schon unbedingt einen Künstlernamen haben?! Da bin ich jetzt neugierig auf diesen Mann. Dein Veilchen-Bild ist einfach bezaubernd, danke. LG claudia o.

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  2. ...da les ich doch gleich mal nacht!!!
    DANKEschööön für´s Näherbringen,
    ich kannte Peter Altenberg noch nicht ;-) *♥freu*

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  3. Das ist ja ein wundervoller Post!
    Die Feder und die Gedichte einfach super. Lieben Dank dafür Stephanie

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O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!
Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)