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26. Januar 2012

die Spätrose


Blühst du jetzt erst, holde Rose,

deine Zeit, Kind, ist dahin,
hörst du nicht des Sturms Getose,
siehst du nicht die Vögel ziehn,
siehst du nicht die kahlen Gänge,
von dem Winter abgestreift,
sterbend schläft der Schwestern Menge,
und nichts blühet mehr und reift.


Und du treibst noch frische Blüten,
trotzest der allmächtgen Zeit,
kämpfest mit des Winters Wüten,
ach, zu ungleich ist der Streit.
Rastlos geht der Drang der Zeiten,
wer entgegensteht, wird Staub,
über seine Asche schreiten
fühllos sie zu neuem Raub.

Als noch aus azurnen Lüften
Phöbus seine Strahlen schoß,
als, umweht von süßen Düften,
sich der Lilie Kelch entschloß.


Gedicht "Die Spätrose"

von Franz Grillparzer
(1791 - 1872)

Kommentare:

  1. Einfach schön das Gedicht von der Spätrose....wie sie da am Ast trotzt und ich glaube sie muss nicht einmal kämpfen...tolles Foto liebe Rosabella
    Liebe Grüsse Monika

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  2. Was für ein schönes Gedicht. Und so ein schönes Bild der Rose, in Verletzung des Winters.

    Ich habe diese wunderbare post genossen, danke.

    Ein weiterer schöner Tag

    Liebe Grüße,
    Helena

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  3. Hab Dank für das schöne Gedicht zu diesem schönen Wintertag.
    ... darum lese ich hier bei Dir meine Liebe.

    Ein toller Abschluß... bin gerade heim gekommen und der Nebel zieht von den Bergen in unser Dorf.
    Wünsche Dir einen schönen Abend.
    Herzlichst Antje

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  4. DANKEschööön... für die Spätrose:

    „Wenn ein schönes Gedicht Tränen in die Augen drängt, so sind diese Tränen nicht ein Beweis eines freudigen Überschwanges, sondern sie zeugen von einer Natur, die, in diese Unvollkommenheit verbannt, sich gleich auf der Erde schon eines geoffenbarten Paradieses bemächtigen möchte.“

    Charles Baudelaire *♥Donnerstagabendumärmelgrüßchen*

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  5. Wunderschönes Bild liebe Rosabella, auch das Gedicht ist fantastisch. DANKE!

    Liebe Grüsse Dir

    Hans-Peter

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  6. Liebe Rosabella,

    Es gibt Tage im Leben wo mann sich so fühlt wie eine Spätrose...
    Ganz lieber Gruss mit viel Sonne und Wärme aus Georgia,

    Mariette

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  7. Liebe Rosabella,

    so ein ähnliches Bild gibt es hier im Garten auch...wundervolle Zeilen hast du wieder gefunden...un d so ganz im Kontrast blüht bei mir schon eine wilde englische Primel...

    Hab einen schönen Abend,

    Sanne

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O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!
Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)