als ich im Frühjahr verschiedene Pflänzchen besorgte, mit denen ich eine Schale für den Garten gestaltete, war auch eine Petunie darunter; sie war ziemlich winzig, so dass ich zu dem Zeitpunkt nicht erkennen konnte, in welcher Farbe sie blühen würde, da sie überhaupt noch keine Knospenansätze aufwies
Wochen vergingen, die Pflänzchen entwickelten sich prächtig, vereinzelt waren nun auch bereits Blüten ausgebildet, die sich nach und nach öffneten, und als die Petunie dann endlich soweit war, erwartete mich eine Überraschung: gefüllte Blüten in einer ganz zauberhaften Farbe
nun kann ich mich gar nicht sattsehen an dieser Naturschönheit, manchmal habe ich das Gefühl, als ob sie es spürte, wie sehr ich sie bewundere, denn sie blüht und blüht und blüht ...
Habt Ihr schon in junges Grün gekleidet,
eure Knospen jugendlich empor?
Zarte Pflanzen, die ich oft beneidet,
wenn mein Auge sich an Euch geweidet,
und mein Sinn sich tief in Euch verlor.
Denn umweht von warmen Frühlingslüften,
oeffnet sich der Erde dunkler Schooss.
Aus des mütterlichen Bodens Grüften,
ringen sich, geweckt zu süssen Düften,
eure still entsprossten Keime los.
Und der Sonne milde Blicke schweben
liebend um das neue, frische Grün.
Kraftvoll regt sich euer innres Leben,
und mit ungehemmtem, raschem Streben,
keimt die Knospe nur um aufzublühn.
Süsse Wohlgerüche zu verhauchen,
bricht bewusstlos dann die Blume auf;
und des Tages helle Strahlen tauchen
schmeichelnd sich in ihren Kelch und saugen
leis' und schnell ihr junges Leben auf.
aus dem Gedicht "Pflanzenleben"
von Charlotte von Ahlefeld (1781 - 1849)