29. März 2011

kleine Freuden ... und ganz schnell gemacht: Papierblüten (Tutorial)



 

"suche die kleinen Dinge,
die dem Leben Freude geben"

- Konfuzius -










wenn wir sowieso schon bei "kleinen Dingen" sind, möchte ich Euch gerne meine Papierblüten zeigen, die mehr oder weniger zufällig entstanden sind, als ich für ein Projekt Spiralen aus Papier geschnitten habe; als nämlich bereits einige vor mir auf dem Tisch lagen, dachte ich, wenn ich sie jetzt einfach mal aufwickele, dann müssten sie doch wie Blüten aussehen? gedacht, getan und tatsächlich ... doch seht selbst





weil es ganz einfach funktioniert, könnt Ihr es vielleicht auch mal zusammen mit Euren Kindern ausprobieren ... also dann
 

zuerst Spirale auf Papier aufzeichnen,
in etwa so ...



  anschließend ausschneiden ...


sie sollte danach ungefähr so aussehen ...


dann beginnen,
die Spirale von außen
bis zum Ende aufzuwickeln ...





... loslassen und Blüte wieder etwas lockern



wenn ihr die Spirale fest zusammendreht, sieht die fertige Blüte hinterher aus wie gerade gezeigt; wenn Ihr sie aber ein wenig lockerer wickelt, sieht sie aus wie die linke hier auf dem Foto



wenn Ihr wollt, könnt Ihr die Blüte am Ende festkleben, sie hält aber auch ohne Kleber, vor allem, wenn ihr stärkeres Papier benutzt (Pappe eignet sich im ürigen nicht so gut dafür, die ist einfach zu hart zum Wickeln) 

und nun fragt Ihr, was man mit den Blüten machen kann? ich lege sie beispielsweise als Deko auf den Tisch zwischen das Geschirr oder hänge sie im Osterstrauch in die Zweige oder klebe einfach ganz viele zu einem Kranz aneinander ... oder ... oder ...

kleiner Tipp noch: wenn Ihr die Spirale auf das Papier zeichnet, sieht man hinterher am oberen Rand der fertigen Blüte immer die Farbe des Stiftes (wie bei der rechten Blüte auf dem unteren Foto); mit ein bißchen Übung könnt Ihr sicherlich schon bald "freihändig" aus einem Stück Papier eine Spirale schneiden, dann ist das Problem mit der Farbe auch gelöst ... und nun viel Spaß beim Blütenwickeln ... und wie gesagt, es sind die kleinen Dinge ... :-)

28. März 2011

Sakura, sakura ... in diesem Frühling ist alles anders


 

さくらさくら

桜桜
野山も里も
見わたすかぎり
霞みか雲か
朝日ににおう
桜桜
花盛り

桜桜
やよいの空は
見わたすかぎり
霞みか雲か
においぞいずる
いざやいざや
見にゆかん



Sakura, Sakura,
in den Feldern und Hügeln und den Dörfern
so weit das Auge reicht,
wie Nebel, wie Wolken.
Duftend und glänzend in der aufgehenden Sonne,
Sakura, Sakura
die Blütezeit

Sakura, sakura,
der Frühlingshimmel
so weit das Auge reicht,
wie Nebel, wie Wolken.
Der Duft und die Farben,
gehen wir, gehen wir
uns am Anblick erfreuen



"Sakura, Sakura"
 ist ein sehr bekanntes, japanisches Volkslied



 

seit vielen Jahren fasziniert es mich, wie prachtvoll  der japanische Kirschbaum stets um diese Zeit blüht, der unmittelbar an der Straße wächst, die ich zum Einkaufen immer entlang muss

ich gebe zu, heute war meine Freude darüber eher verhalten ... ein seltsam komisches Gefühl überkam mich, als ich die unzähligen Blüten betrachtete, die sich mir - von strahlender Morgensonne beschienen - in atemberaubender Schönheit präsentierten (Hanami, japanisch 花見, "Blüten betrachten“... Sakura, sakura...  in diesem Frühling ist alles anders ...
 




花を飲み
待つらん人に
山里の
雪まの草の
春を見せばや


dem der nur die Kirschblüte
sehnlichst erwartet, wie
gern zeigte ich ihm
im schneebedeckten Gras des Bergdorfs
den Frühling



Tanka des japanischen Dichters
Fujiwara no Ietaka (1158 – 1237)

27. März 2011

"vermag mein Anblick Freude dir zu geben"





"O  blaue Blume, wunderbar entsproßen,
verkünde meinem Herzen, was du bist!“
- Da war’s, als hätt’ sie leise mir erschlossen:
„Ich bin dir das, was du in mir ersiehst.
Vermag mein Anblick Freude dir zu geben,
erschließt er dir noch eine Zauberwelt -
was klagst du dann, daß nimmer dir im Leben
mehr unverhoffte Lust vom Himmel fällt?!“

aus einem Gedicht von Marie von Najmájer (1844 - 1904)



26. März 2011

Zapfen sammeln im Frühling?
und heute abend Licht aus :-)

ja, unbedingt, wie ich finde, denn beispielsweise die Zapfen von Zedern erinnern durchaus an geöffnete Rosenblüten ...  alleine schon deshalb kann ich ihnen nicht widerstehen

 






als ich gestern auf dem alten Friedhof unterwegs war, entdeckte ich die uralte, riesige Himalaya-Zeder wieder, ein Prachtexemplar von Baum mit unzähligen Zapfen, die zum Teil bis zu vier Jahre alt werden, bevor sie sich ablösen



wenn man Glück hat und gerade zu diesem Zeitpunkt dort ist, fallen sie einem direkt vor die Füße, man braucht sich nur zu bücken und sie aufzusammeln



das habe ich nur zu gerne getan, dieses Mal waren es nämlich viele, besonders schöne Exemplare ... da die Zapfen bereits komplett getrocknet sind, werde ich sie erst einmal zwischenlagern, bis ich mir überlegt habe, was ich mit ihnen anstelle, mal sehen ... 







apropos sehen, bei uns gehen um 20.30 Uhr heute abend für eine Stunde die Lichter aus ... dann beginnt die "Earth Hour" ... Experten betonen den symbolischen Wert dieser weltweiten Umweltschutzaktion, mit der ein Zeichen für den Klimaschutz gesetzt werden soll ... macht Ihr auch mit?

25. März 2011

"DIE SONNE SIE LACHTE"

als ich heute morgen über zwei Stunden mit der Kamera über den alten Poppelsdorfer Friedhof  spazierte; manchmal, wenn ich das Bedürfnis habe, ganz für mich alleine zu sein, zieht es mich hin zu diesem Ort, vor allem zu dieser frühen Tageszeit ... dann ist es dort besonders still, ich kann meine Gedanken ordnen, tief durchatmen und neue Kraft schöpfen ...




" ... es war im März, in den ersten goldenen Tagen, wo die Sehnsucht nach dem heranziehenden Frühling fast noch süßer und mächtiger ist als die volle Schönheit des Frühlings selbst; wo das Herz einen unaussprechlichen Zug in die Weite fühlt, wo die hellsten Träume von der Zukunft wach werden, während ein Herbsttag, und sei er noch so sonnig und schön, nur wehmütig-süße Erinnerungen weckt ..." 
 
 

 




































Allzu tief versinkt oft in der Wehmut
fesselloses Sehnen, wessen Wille
sich nicht lauter zu der Sonne wendet.
Täuschend hüllet wohl verborgnen Bannes
Schmerzgefühl sich in der milden Klage,
in der stillen Sehnsucht Trauerkleider.
Schone nicht, zerreiße solche Flöre!
Treuer Wille wieget mehr als Wehmut.

aus einer Erzählung von Ottilie Wildermuth  (1817–1877)



24. März 2011

erinnern möchte ich heute an ... William Morris

englischer Schriftsteller, Architekt, Maler und Kunstgewerbler
24. März 1834 - 3. Oktober 1896





 "wenn ich mir überlege, was ich mir wünsche,
finde ich, daß dafür keine andere Bezeichnung angemessen ist
als das Wort GLÜCK"





William Morris gehörte zum Kreis der Präraffaeliten und rief die sogenannte Arts-and-crafts-Bewegung ins Leben, die für die Erneuerung der Kunst eintrat
 

sein Augenmaß lag dabei ganz besonders auf der handwerklichen Herstellung kunstgewerblicher Gegenstände; deshalb gründete er im Jahre 1861 eine Werkstätte für Dekoration und Inneneinrichtungen, und die daraus resultierenden Arbeiten  prägten in großem Maße die Epoche des Jugendstils





William Morris verfasste zudem eine Reihe von Fantasyromanen, die großen Einfluss unter anderem auf die Werke von J.R.R. Tolkien ausübten

Morris gehörte mit seinen Werken zu den wichtigsten Autoren in der Geschichte der Fantasyliteratur; er war einer der ersten, der seine Romane in eigens dafür ausgedachten Welten ansiedelte, nämlich in Fantasywelten, und er versuchte somit, die Tradition mittelalterlicher Minneerzählungen wieder aufleben zu lassen



eine Auswahl seiner phantastischen Literatur

• A Dream of John Ball (1888)

• A King’s Lesson (1888)
• A Tale of the House of the Wolfing and All the Kindreds of the Marks (1888)
• The Roots of the Mountains (1889)
• The Story of the Glittering Plain (1891)
• Child Christopher (1895)
• Goldilind the Fair (1895)
• The Hollow Land (1897)
• The Water of the Wondrous Isles (1897)
• Svend and His Brethern (1901)
• The Story of the Unknown Church (1904)
• Gertha’s Lovers (1905)

22. März 2011

"wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land"



 

"Herrgott, ich rieche Frühlingsluft!
Es liegt so was wie Veilchenduft
um alle grünen Sträuche."



aus dem Gedicht "Frühlingsahnung"
von Ludwig Thoma (1867 – 1921)







21. März 2011

Frühlingsanfang und Welttag der Poesie


"Wenn der Frühling in eine kleine Stadt einzieht, so gibt das ein Fest. Wie die Knospen aus enger Haft, drängen goldköpfige Kinder aus der winterschwülen Stube und wirbeln ins Land hinaus, als trüge sie der flatternde laue Wind, der ihnen Haare und Röckchen zerrt und ihnen die ersten Kirschenblüten in der Schooß wirft. Und wie sie nach langer Krankheit ein altes, lang vermißtes Spielzeug bejubeln würden, erkennen sie selig Alles wieder und begrüßen jeden Baum, jeden Busch und lassen sich vom jauchzenden Bache erzählen, was er all die Zeit getrieben. Und was für eine Wonne ist das, durch das erste grüne Gras laufen, das zage und zart die nackten Füßchen kitzelt, dem ersten Weißling nachhüpfen, der in ratlos großen Bogen über den kargen Holunderbüschen sich verliert ins endlose, blasse Blau hinein. - Überall regt sich Leben. Unterm Dach, auf den rotleuchtenden Telegraphendrähten und sogar hoch auf dem Kirchturm, hart neben der brummigen, alten Glocke, ist Schwalben-Stelldichein. Die Kinder schauen mit großen Augen, wie die Wandervögel die alten lieben Nester finden, und der Vater zieht den Rosenstöcken den Strohmantel und die Mutter den ungeduldigen Kleinen die Warmen Flanellhöschen aus.

Auch die Alten kommen mit scheuem Schritt über die Schwelle, reiben sich die faltigen Hände und blinzeln ins flutende Licht hinaus, und nennen sich 'Alterchen' und wollens nicht zeigen, daß sie glücklich und gerührt sind. Aber ihre Augen gehen über, und sie danken beide im Herzen: Noch einen Frühling."


aus "Heiliger Frühling" von Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)





... die Welt wird schöner mit jedem Tag,
man weiß nicht, was noch werden mag

... es blüht das fernste, tiefste Tal:
nun, armes Herz, vergiß der Qual,
nun muß sich alles, alles wenden!

aus dem Gedicht "Frühlingsglaube"
von Ludwig Uhland (1787 - 1862)





Frühlingsanfang und Welttag der Poesie ... das passt ganz wunderbar zusammen, wie ich finde, der Frühling steht schließlich für Gefühle jedweder Art, das Gedicht wird ja geradezu provoziert ;-)

im Jahre 2000 hat die UNESCO den 21. März zum "Welttag der Poesie" ausgerufen

an diesem Tage soll ganz speziell an den Stellenwert der Poesie, an die Vielfalt des Kulturgutes Sprache und an die Bedeutung mündlicher Traditionen erinnert werden, und im Zeitalter der neuen Informationstechnologien weist somit die UNESCO der Dichtkunst einen wichtigen Platz im kulturellen und gesellschaftlichen Leben zu; zudem sollen die Verlage ermutigt werden, poetische Werke, vor allem von jungen Dichtern, zu unterstützen

der Welttag der Poesie soll zudem dazu beitragen, den kulturellen Austausch zwischen den Völkern zu intensivieren




"Es fehlt, behaupte ich, unsrer Poesie an einem Mittelpunkt, wie es die Mythologie für die der Alten war, und alles Wesentliche, worin die moderne Dichtkunst der antiken nachsteht, läßt sich in die Worte zusammenfassen: Wir haben keine Mythologie. Aber, setze ich hinzu, wir sind nahe daran, eine zu erhalten, oder vielmehr es wird Zeit, daß wir ernsthaft dazu mitwirken sollen, eine hervorzubringen.[...]
Die neue Mythologie muß aus der tiefsten Tiefe des Geistes herausgebildet werden; es muß das künstlichste aller Kunstwerke sein, denn es soll alle andern umfassen, ein neues Bette und Gefäß für den alten ewigen Urquell der Poesie und selbst das unendliche Gedicht, welches die Keime aller andern Gedichte verhüllt. [...]
Mythologie und Poesie, beide sind eins und unzertrennlich. Alle Gedichte des Altertums schließen sich eines an das andre, bis sich aus immer größern Massen und Gliedern das Ganze bildet; alles greift ineinander, und überall ist ein und derselbe Geist nur anders ausgedrückt. Und so ist es wahrlich kein leeres Bild, zu sagen: die alte Poesie sei ein einziges, unteilbares, vollendetes Gedicht. Warum sollte nicht wieder von neuem werden, was schon gewesen ist? Auf eine andre Weise versteht sich. Und warum nicht auf eine schönere, größere?"


Friedrich von Schlegel (1772 - 1829), deutscher Kulturphilosoph, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler (mit seinem Bruder August Wilhelm Schlegel gilt er als Mitbegründer der deutschen Romantik)

20. März 2011

erinnern möchte ich heute an ... Friedrich Hölderlin

20. März 1770 - 7. Juni 1843



"Denn der hat viel gewonnen,
der das Leben verstehen kann,
ohne zu trauern"

- Friedrich Hölderlin -






Friedrich Hölderlin gehört neben Schiller, Goethe und Kleist zu den bedeutendsten deutschen Dichtern; sein umfangreiches Werk umfasst Gedichte, Dramen und zum Teil sehr eigenwillige Übersetzungen sowie den Briefroman "Hyperion"

Sprachschönheit und musikalischer Rhythmus vereinen sich in seinen Gedichten, denen er eine ganz eigene, ausdrucksvolle "lyrische Stimme" verlieh

Hölderlin, bei dem beim Verfassen seiner Texte stets das Gefühl im Mittelpunkt stand, bevorzugte dabei vor allem die Themen Natur, Liebe, Bestimmung des Menschen und göttliche Mächte

sein Werk, das er mit seiner eigenen, poetischen Sprache verfasste, fand während des 19. Jahrunderts weniger Beachtung; erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es wiederentdeckt, und seine Hymnen begannen fortan auf die Dichter der Klassischen Moderne Einfluss zu nehmen



Der Frühling
(1)

Wie selig ists, zu sehn, wenn Stunden wieder tagen,
Wo sich vergnügt der Mensch umsieht in den Gefilden,
Wenn Menschen sich um das Befinden fragen,
Wenn Menschen sich zum frohen Leben bilden.
Wie sich der Himmel wölbt, und auseinander dehnet,
So ist die Freude dann an Ebnen und im Freien,
Wenn sich das Herz nach neuem Leben sehnet,
Die Vögel singen, zum Gesange schreien.
Der Mensch, der oft sein Inneres gefraget,
Spricht von dem Leben dann, aus dem die Rede gehet,
Wenn nicht der Gram an einer Seele naget,
Und froh der Mann vor seinen Gütern stehet.
Wenn eine Wohnung prangt, in hoher Luft gebauet,
So hat der Mensch das Feld geräumiger und Wege
Sind weit hinaus, daß Einer um sich schauet,
Und über einen Bach gehen wohlgebaute Stege.


Der Frühling
(2)

Es kommt der neue Tag aus fernen Höhn herunter,
Der Morgen, der erwacht ist aus den Dämmerungen,
Er lacht die Menschheit an, geschmückt und munter,
Von Freuden ist die Menschheit sanft durchdrungen.
Ein neues Leben will der Zukunft sich enthüllen,
Mit Blüten scheint, dem Zeichen froher Tage,
Das große Tal, die Erde sich zu füllen,
Entfernt dagegen ist zur Frühlingszeit die Klage.


Der Frühling
(3)

Die Sonne glänzt, es blühen die Gefilde,
Die Tage kommen blütenreich und milde,
Der Abend blüht hinzu, und helle Tage gehen
Vom Himmel abwärts, wo die Tag entstehen.
Das Jahr erscheint mit seinen Zeiten
Wie eine Pracht, wo Feste sich verbreiten,
Der Menschen Tätigkeit beginnt mit neuem Ziele,
So sind die Zeichen in der Welt, der Wunder viele.


Der Frühling
(4)

Der Mensch vergißt die Sorgen aus dem Geiste,
Der Frühling aber blüht, und prächtig ist das meiste,
Das grüne Feld ist herrlich ausgebreitet,
Da glänzend schön der Bach hinuntergleitet.
Die Berge stehn bedecket mit den Bäumen,
Und herrlich ist die Luft in offnen Räumen,
Das weite Tal ist in der Welt gedehnet
Und Turm und Haus an Hügeln angelehnet.



Der Frühling
(5)

Wenn neu das Licht der Erde sich gezeiget,
Von Frühlingsregen glänzt das grüne Tal und munter
Der Blüten Weiß am hellen Strom hinunter,
Nachdem ein heitrer Tag zu Menschen sich geneiget.
Die Sichtbarkeit gewinnt von hellen Unterschieden,
Der Frühlingshimmel weilt mit seinem Frieden,
Daß ungestört der Mensch des Jahres Reiz betrachtet,
Und auf Vollkommenheit des Lebens achtet.

Der Frühling
(6)

Der Tag erwacht, und prächtig ist der Himmel,
Entschwunden ist von Sternen das Gewimmel,
Der Mensch empfindet sich, wie er betrachtet,
Der Anbeginn des Jahrs wird hoch geachtet.
Erhaben sind die Berge, wo die Ströme glänzen,
Die Blütenbäume sind, als wie mit Kränzen,
Das junge Jahr beginnt, als wie mit Festen,
Die Menschen bilden mit Höchsten sich und Besten.


Der Frühling
(7)

Die Sonne kehrt zu neuen Freuden wieder,
Der Tag erscheint mit Strahlen, wie die Blüte,
Die Zierde der Natur erscheint sich dem Gemüte,
Als wie entstanden sind Gesang und Lieder.
Die neue Welt ist aus der Tale Grunde,
Und heiter ist des Frühlings Morgenstunde,
Aus Höhen glänzt der Tag, des Abends Leben
Ist der Betrachtung auch des innern Sinns gegeben.


Der Frühling
(8)

Wenn aus der Tiefe kommt der Frühling in das Leben,
Es wundert sich der Mensch, und neue Worte streben
Aus Geistigkeit, die Freude kehret wieder
Und festlich machen sich Gesang und Lieder.
Das Leben findet sich aus Harmonie der Zeiten,
Daß immerdar den Sinn Natur und Geist geleiten,
Und die Vollkommenheit ist Eines in dem Geiste,
So findet vieles sich, und aus Natur das meiste.




Gedichte "Der Frühling" (1 - 8)
von Friedrich Hölderlin




19. März 2011

erinnern möchte ich an ...
Christian Friedrich Hebbel

deutscher Lyriker und Dramatiker
18. März 1813 - 13. Dezember 1863 




"Das Publikum beklatscht ein Feuerwerk,
aber keinen Sonnen-Aufgang."

Christian Friedrich Hebbel (1837)






Christian Friedrich Hebbel gehört zu den sprachmächtigsten, gedankenreichsten und vielseitigsten Dichtern des 19. Jahrhunderts




in seinem kurzen Leben - er starb bereits im Alter von 50 Jahren - schuf er ein umfangreiches Werk, das zahlreiche Gedichte, Dramen, Erzählungen, Märchen und andere theoretische Schriften beinhaltet






Wir träumten voneinander
und sind davon erwacht,
wir leben, um zu lieben,
und sinken zurück in die Nacht.

Du tratst aus meinem Traume,
aus deinem trat ich hervor,
wir sterben, wenn sich Eines
im Andern ganz verlor.

Auf einer Lilie zittern
zwei Tropfen, rein und rund,
zerfließen in Eins und rollen
hinab in des Kelches Grund.



Gedicht "Ich und Du"
von Christian Friedrich Hebbel

18. März 2011

17. März 2011

erinnern möchte ich heute an ... Kate Greenaway

englische Zeichnerin und Malerin
17. März 1846 - 6. November 1901



Kate Greenaway im Jahre 1901
(Foto: gemeinfrei)



Kate Greenaway war die Tochter des Zeichners und Holzschnittkünstlers John Greenaway; sie absolvierte ihr Studium an der bekannten Slade School of Fine Art in London (dieses namhafte College gehört nicht nur zu den bedeutendsten britischen Kunstschulen, es ist auch international als führende Ausbildungsstätte für Künstler anerkannt)



neben zahlreicher Aquarelle sind vor allem ihre Kinderbuch-Illustrationen allseits bekannt; für ihr erstes Buch Under the Window (erschienen im Jahre 1879) wurden neue Techniken der Photolithographie angewendet, mit denen ihre Aquarelle übernommen und gedruckt werden konnten




die für die Künstlerin typischen Designs wurden später häufig kopiert, vor allem zur Herstellung von Porzellan, Fliesen und Tapeten sowie anderen Gebrauchsgegenständen

Kate Greenaway starb im Alter von 51 Jahren an Brustkrebs





alle gezeigten Bilder stammen von Kate Greenaway;
sie sind fotografische Reproduktionen
und werden daher als gemeinfrei angesehen