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30. September 2011

"Herbstgedanken" und "Herbstrosen"

»Vernimm auch Du des Herbstes Stimme, hör, was er sagt und folge ihm!« Weder der zu traulichem Beisammensein ladende Winter noch der liebeglühende Frühling oder der Rosen spendende, Früchte reifende Sommer übt einen so ergreifenden Eindruck aus auf das menschliche Gemüth, wie der Herbst mit seinen welkenden Blumen, hinsterbenden Fluren und erbleichenden Farben.

Der große Zug nach der Mutter Erde, welchem selbst der Stärkste und Gewaltigste gehorsamen muß, zeigt triumphierend seine Herrschaft über die Natur. Das letzte Lied der Nachtigall ist verklungen; schief und schiefer fallen die Strahlen der Sonne; leer wird's auf Feld und Flur, und die schaffende Kraft will ausruhen von der segnenden Arbeit der verflossenen Wochen. Schon glänzt am Morgen der Reif auf den Spitzen der Gräser; der »Nachsommer« löst sich von den Stoppeln, und »eindringlich mild« zieht der Geruch des Herbstes durch die Lüfte.

Es ist die Zeit des Scheidens. Und wie die Gefühle des Herzens höher flammen in der Stunde des Abschiedes und alle Regungen des Inneren emporwallen in das thränenumflorte Auge, so sendet das Jahr die schönsten seiner Tage in den Herbst, und süße, beseligende Wemuth breitet sich über die weichen, sehnsuchtsathmenden Abende.

Und diese Weichheit, diese Sehnsucht bemächtigt sich des menschlichen Herzens. Sie mildert seine Leiden, verklärt seine Freuden und wirkt veredelnd auf alle seine Stimmungen. Wie an dem keuschen, unter dem Weh des Scheidens seufzenden und von hoffenden Wünschen geschwellten Busen der Geliebten, so ruht der Empfängliche in der Umarmung des Herbstes und saugt aus seinem Kusse die Ahnung, daß Glück und Seligkeit wohl fliehen, nicht aber uns für immer fern bleiben können.

Mag das Laub fallen und die Blume welken, es liegt doch im Fallen und Welken kein spurlos Verschwinden und Vergehen, sondern die liebe, alte Mutter Erde ruft ihre Kinder nur zurück, um sie verjüngt und verschönert wieder in's Leben zu führen. So ist auch der Tod nicht ein Aufhören alles Seins, sondern eine Zurückkehr zur ursprünglichen Kraft, um die Errungenschaften dieses Lebens für ein neues Bestehen zu verwerthen.

Denn wie da draußen in der Natur, so naht ein Herbst auch dem Menschenkinde, der ihm die Stirne furcht, das Haar lichtet und den Nacken beugt, der ihn zur ernsten Forschung stimmt und nach den Früchten seines Lebens fragt. Wie manch' stolzer Mann wird da der tauben Aehre gleichen, welche ihr Haupt hoch heben darf, weil es keine Körner trägt, und wie Mancher mag da am Boden kriechen, weil ihn die Last und Sorge der Arbeit niederdrückt! »Säen muß man hier mit Fleiß zu der Ernte jenes Lebens« klingt's im alten Kirchenliede; aber nicht dort erst, sondern schon hier beginnt diese Ernte und »wohl dem Baume, welcher Früchte trägt, wenn die Hand des Alters an ihm rüttelt!«


"Herbstgedanken"
von Karl May


 ... und die "Herbstrosen"
habe ich gestern vormittag

während eines Spazierganges

über den Friedhof fotografiert





Kommentare:

  1. wunderschöne Herbstgedanken und tollen Fotos von dir.... liebs grüssle und ein schönes WE
    wünsch dir die tina

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  2. Meine liebe Rosabella,
    so kluge Herbstgedanken von Karl May - und dann denke ich mir, doch irgendwie schade, dass man ihn nur mit der einen bekannten literarischen Gestalt in Verbindung bringt. Ja, und dass mir Deine Rosenbilder gefallen, kannst Du Dir doch sicherlich denken: Das Licht so golden und dazu der frische Tau - kein Wunder, dass sich die Schwebfliege da wohl fühlt. Ich fühl' mich gerade gar nicht so wohl - bin krank zu Hause - aber, um irgendwie (!) auf Karl May noch einmal zurückzukommen: Ein Indianer kennt ja bekanntlich keinen Schmerz;-) Liebe Grüße an Dich, Deine Carola

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  3. so blühen sie in meinem Garten zZ auch nochmal, ich wünsche dir ein schönes, langes Wochenende, ehrzlich Kathrin

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  4. Komisch bei Winnetou hat er diese Gedanken gar nicht eingebaut:-)

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  5. Boa tarde Rosa Bella! Lindas imagens de suas flores.Elas me encanta cada vez que eu venho lhe visitar, elas nos transmitem amor, paz, alegria. Que Deus lhe abençoe sempre. Um abraço!

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  6. Wie ich sehe sind Deine Rosen bereits wieder am verblühen und werden wahrscheinlich bald in den Winterschlaf gehen... Wie die Zeit vergeht!! Aber tolle Bilder und passende Worte dazu. Ganz liebe Grüsse, liebe Rosabella!

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  7. Nein, das hätte ich bei Karl May nicht vermutet. Ich bin fasziniert von seinen Worten, genauso wie von Deinen Bildern. Ein angenehmes Wochenende wünscht claudia o.!

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  8. Ja, leider müssen wir die Rosen nun ruhen lassen, damit sie uns nächstes Jahr wieder sehr viel Freude bereiten können...wie immer wunderschöne Worte und Gedanken. Mit lieben Grüssen aus dem Altweibersommer in der Schweiz herzlich Monika

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  9. hi! ich liebe es immer wieder deine schönen Bilder anzusehen und deine Zitate dazu zu lesen.....einfach schön!
    bei deinem namen muß ich einfach fragen ;o)
    schau doch mal bei mir vorbei...vielleicht hast du ja lust mitzumachen??? würde mich riesig freuen...liebe grüße nico

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O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!
Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)