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18. Februar 2011

Dank ... und Worte von Rilke, die berühren

Ihr Lieben

endlich möchte ich mich bei Euch allen herzlich bedanken für die zahlreichen und liebenswürdigen Kommentare, die Ihr mir in letzter Zeit  hier  hinterlassen habt, ebenso für  wohlwollende, aber auch kritische Mails zu Themen, die ich ansprach, für viele herzliche Kontakte, die sich  haben knüpfen lassen, für so manch schönes Überraschungs-Päckchen, das mich erreichte und nicht zuletzt auch dafür, dass einige neue Leserinnen und Leser nun mein Blog verfolgen ... ich freue mich wirklich sehr darüber ... DANKE !


in dem Zusammenhang muss ich gestehen, dass ich es nicht immer schaffe, auf Mails oder Briefe unverzüglich zu reagieren beziehungsweise Eure Blogs zu besuchen und zu kommentieren ... das liegt aber nicht etwa an Desinteresse, im Gegenteil, ich bemühe mich, stets "am Ball zu bleiben", und wenn ich einmal nicht antworte, so seht es mir bitte nach und habt ein wenig Geduld, ich vergesse niemanden ... manchmal dauert es bei mir eben etwas länger, die passenden Worte zu finden ...


apropos Worte: viele von Euch wissen, dass ich Rilke sehr mag ... gerade gestern erst las ich in einem Buch über ihn und stieß dabei auf einen Brief, den er im Sommer 1903 an seinen Dichterkollegen Franz Xaver Kappus verfasste ... diese Zeilen haben mich auf wundersame Weise berührt ... und weil ich ständig an sie denken muss, selbst jetzt, während ich hier schreibe, werde ich sie auszugsweise wiedergeben ... vielleicht nehmt Ihr Euch ein paar Momente zum Lesen?


" ... vor etwa zehn Tagen habe ich Paris verlassen, recht leidend und müde, und bin in eine große nördliche Ebene gefahren, deren Weite und Stille und Himmel mich wieder gesund machen soll. Aber ich fuhr in einen langen Regen hinein, der heute erst sich ein wenig lichten will über dem unruhig werdenden Land; und ich benutze diesen ersten Augenblick Helle, um Sie zu grüßen ...

... ich habe einen Brief von Ihnen lange ohne Antwort gelassen, nicht daß ich ihn vergessen hätte - im Gegenteil: er war von der Art derer, die man wieder liest, wenn man sie unter den Briefen findet, und ich erkannte Sie darin wie aus großer Nähe. Wenn ich ihn, wie jetzt, in der großen Stille dieser Ferne lese, dann rührt mich Ihre schöne Sorge um das Leben, mehr noch, als ich das schon in Paris empfunden habe, wo alles anders anklingt und verhallt wegen des übergroßen Lärmes, von dem die Dinge zittern. Hier, wo ein gewaltiges Land um mich ist, über das von den Meeren her die Winde gehen, hier fühle ich, daß auf jene Fragen und Gefühle, die in ihren Tiefen ein eigenes Leben haben, nirgend ein Mensch Ihnen antworten kann; denn es irren auch die Besten in den Worten, wenn sie Leisestes bedeuten sollen und fast Unsägliches. Aber ich glaube trotzdem, daß Sie nicht ohne Lösung bleiben müssen, wenn Sie sich an Dinge halten, die denen ähnlich sind, an welchen jetzt meine Augen sich erholen. Wenn Sie sich an die Natur halten, an das Einfache in ihr, an das Kleine, das kaum einer sieht, und das so unversehens zum Großen und Unermeßlichen werden kann; wenn Sie diese Liebe haben zu dem Geringen und ganz schlicht als ein Dienender das Vertrauen dessen zu gewinnen suchen, was arm scheint: dann wird Ihnen alles leichter, einheitlicher und irgendwie versöhnender werden, nicht im Verstande vielleicht, der staunend zurückbleibt, aber in Ihrem innersten Bewußtsein, Wach-sein und Wissen ...

... Sie sind so jung, so vor allem Anfang, und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein ...

... lieben Sie Ihre Einsamkeit, und tragen Sie den Schmerz, den sie Ihnen verursacht, mit schön klingender Klage. Denn die Ihnen nahe sind, sind fern, sagen Sie, und das zeigt, daß es anfängt, weit um Sie zu werden. Und wenn Ihre Nähe fern ist, dann ist Ihre Weite schon unter den Sternen und sehr groß; freuen Sie sich Ihres Wachstums, in das Sie ja niemanden mitnehmen können, und seien Sie gut gegen die, welche zurückbleiben, und seien Sie sicher und ruhig vor ihnen und quälen Sie sie nicht mit Ihren Zweifeln und erschrecken Sie sie nicht mit Ihrer Zuversicht oder Freude, die sie nicht begreifen könnten ...

 ... glauben Sie an eine Liebe, die für Sie aufbewahrt wird wie eine Erbschaft, und vertrauen Sie, daß in dieser Liebe eine Kraft ist und ein Segen, aus dem Sie nicht herausgehen müssen, um ganz weit zu gehen ..."

Kommentare:

  1. Liebe Rosabella,

    ich mag Rilke seine Gedichte auch sehr, wusste gar nicht dass es auch solche Briefe gibt. Habe sien Brief gelesen das auch fast ein Gedicht war...

    Muss sagen ich vermisste schon mal ein Kommentar von dir, aber ich weiß auch selbst dass man nicht bei alle schauen kann. Ich komme selbst selten genug dazu alles zu kommentieren, habe noch in Forum ab und zu mal ein Bild drin. Jetzt wo noch kein Gartenwetter ist habe ich noch ein weing Zeit, aber ab März, April ist so gut wie kaum noch Zeit zum Kommentieren, es sei denn es regnet... Habe halt einen großen Garten.

    Wünsche dir ein schönes Wochenende und liebe Grüße
    Michaela

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  2. Großer Gott, wie großartig. Danke. Ich mag keinen geschwätzigen Kommentar abgeben, aber ich verstehe das so sehr. Ich persönlich habe tatsächlich oft den Moment, nicht zu antworten, weil eine mögliche Antwort sich ständig verändert, um dann festzustellen, daß der Absender empfindlich reagiert, zu recht von sich aus, aber, Kommunikation ist merkwürdig.

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  3. Liebe Rosabella, ist es nicht eigenartig, wie Rilke heute weiter lebt, immer noch oder besser immer mehr an Wahrheit gewinnt.
    Ein Meister im passiven - aktiv leben, ich kann ihn nun viel besser verstehen, seinen Hang zur Einsamkeit, ohne sich einsam zu fühlen, das wiederum gibt so viel Sicherheit und Vertrauen, egal was da kommt, mich selbst, kann ich nie verlieren, was leider die Angst und Sorge, um die die wir lieben nicht vermindert....
    In diesem Sinne wünsche ich dir ein Wochenende nach deinem Geschmack
    Anett

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  4. Sehr schöne Worte, danke Rosabella dass du dir die Zeit dazu genommen hast ich schliesse mich da der Fadenstille an.
    Ein zufriedenes sonniges Wochenende wünsche ich dir herzlich Monika

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  5. Liebe Rosabella,

    ....was für wunderschöne und kluge Gedanken, die Rilke vor über 100 Jahren seinem Dichterkollegen schreibt! Und er hat ja so recht!!!

    Danke für die schönen Zeilen, die auch mich berührt haben.

    Ein schönes Wochenende und liebe Grüße

    Martha E.

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  6. ....,((((,,
    ..//(*◡*)))
    0==/--I==0.
    ...../___..
    ......_| |_..♥
    Wäre es uns möglich, weiter zu sehen als unser Wissen reicht,
    vielleicht würden wird dann unsere Traurigkeiten
    mit größerem Vertrauen ertragen als unsere Freuden.
    von Rainer Maria Rilke

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  7. Liebe Rosabella,

    diese Zeilen sind mir vertraut, denn das kleine Büchlein (Briefe an einen jungen Dichter), aus dem sie stammen, habe ich gelesen und darin neben deinen erwähnten Zeilen auch viele andere wunderbare Gedanken von Rilke gefunden.

    Herzlichst

    Anke

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O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!
Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)