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10. Januar 2011

"wo man am meisten fühlt,
weiß man am wenigsten zu sagen"


dieses wunderbare Zitat stammt von

Annette von Droste-Hülshoff

geboren am 10. Januar 1797

gestorben am 24. Mai 1848



"die Droste" war eine großartige Dichterin und gilt heute als die bedeutendste des 19. Jahrhunderts ... und weil mir gerade ganz spontan Ledwina einfällt, hier die ersten Zeilen aus ihrer gleichnamigen Erzählung, die sie im Alter von 22 Jahren schrieb:


"... Der Strom zog still seinen Weg und konnte keine der Blumen und Zweige auf seinem Spiegel mitnehmen; nur eine Gestalt, wie die einer jungen Silberlinde, schwamm langsam seine Fluten hinauf. Es war das schöne bleiche Bild Ledwinens, die von einem weiten Spaziergange an seinen Ufern heimkehrte. Wenn sie zuweilen halb ermüdet, halb sinkend still stand, dann konnte er keine Strahlen stehlen, auch keine hellen oder milderen Farbenspiele von ihrer jungen Gestalt, denn sie war so farblos wie eine Schneeblume, und selbst ihre lieben Augen waren wie ein paar verblichne Vergißmeinnicht, denen nur Treue geblieben, aber kein Glanz.

'Müde, müde', sagte sie leise und ließ sich langsam nieder in das hohe, frischgrüne Ufergras, daß es sie nun umstand, wie die grüne Einfassung ein Lilienbeet. Eine angenehme Frische zog durch alle ihre Glieder, daß sie die Augen vor Lust schloß, als ein krampfhafter Schmerz sie auftrieb. Im Nu stand sie aufrecht, die eine Hand fest auf die kranke Brust gepreßt, und schüttelte unwillig ob sich das blonde Haupt, wandte sich rasch wie zum Fortgehn und kehrte dann fast wie trotzend zurück; sie trat dicht an das Ufer und schaute anfangs hell, dann träumend in den Strom.

Ein großer, aus dem Flusse ragender Stein sprühte bunte Tropfen um sich, und die Wellchen strömten und brachen sich so zierlich, daß das Wasser hier wie mit einem Netze überzogen schien und die Blätter der am Ufer neigenden Zweige im Spiegel wie grüne Schmetterlinge davonflatterten. Ledwinens Augen aber ruhten aus auf ihrer eignen Gestalt, wie die Locken von ihrem Haupte fielen und forttrieben, ihr Gewand zerriß und die weißen Finger sich ablösten und verschwammen ... "

Kommentare:

  1. Wie schlicht und trotzdem bildhaft diese Worte sind...Man bekommt sofort eine genaue Vorstellung von der Natur, in der sich Ledwina befindet.

    Ich bin ja ein Fan von solchen poetischen Beschreibungen der Natur.

    Heute habe ich mir endlich das Gedichtbüchlein bestellt, das ich schon eine Weile ins Auge gefasst habe und das viele ihrer Naturgedichte beinhaltet.

    Danke für die letzte Inspiration, liebe Rosabella, und wunderbare Grüße

    Anke

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  3. Liebe Rosabella,

    Soviel DANK für das Gedicht über 'Anemone' von Paul Fleming (1609-1640). Das war so warm und so lieb von Dir! So etwas das fast vierhundert Jahre alt ist... Und noch immer schön!
    Deine Rosen sind zauberhaft aber welches Papier verwendest Du dafür? Irgendetwas mit Baumwolle oder Leinen drin nehme ich ja an, daß läßt sich auch besser zerreißen.
    Vielen Dank für soviel schönes und liebes!

    A big hug,

    Mariette's Back to Basics

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O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!
Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)