optimale Seiten-Darstellung bei einer Auflösung von 1280 x 1024 px



7. Dezember 2010

sieh, Mensch, mit Andacht diesem Wunder zu


... das unfruchtbare Eis, kalt, panzerglatt,
verhärtet Leben, das dem Tode dient,
der sich, der Farblose, mit ihm umschient -
das Eis, das keine Seele hat,
das unbewegte, allen Lebens Bann ...






... sieh, Mensch, mit Andacht diesem Wunder zu
und glaub ans Leben! Überall sind Triebe.
Es ist kein Wahn: Im Tode selbst ist Liebe,
und neues Werden und bewegte Ruh ...


Zeilen aus dem Gedicht "Eisblumen"
von Otto Julius Bierbaum (1865 - 1910)

Kommentare:

  1. Guten Morgen liebe Rosabella,
    heute ist Dein Gedicht aber traurig. Oder liegt es an meiner Stimmung dass ich es traurig empfinde?

    Ganz liebe Grüße
    Beate

    AntwortenLöschen
  2. Dein Gedicht hat eine ansprechende Tiefe.

    Liebe Grüße
    Barbara

    AntwortenLöschen
  3. Du hast Recht, liebe Rosabella, das Foto gefällt mir. Und die Zeilen, die du dafür herausgesucht hast, passen gleichfalls gut, sehr zu Herzen gehend.

    Anke

    AntwortenLöschen
  4. Ach, da fällt mit
    die Geschichte
    über RILKE
    ein:

    Die Rose

    Rainer Maria Rilke ging in der Zeit seines Pariser Aufenthaltes regelmäßig über einen Platz, an dem eine Bettlerin saß, die um Geld anhielt.

    Ohne je aufzublicken, ohne ein Zeichen des Bittens oder Dankens zu äußern, saß die Frau immer am gleichen Ort.

    Rilke gab nie etwas, seine französische Begleiterin warf ihr häufig ein Geldstück hin.

    Eines Tages fragte die Französin verwundert, warum er ihr nichts gebe.
    Rilke antwortete: "Wir müssen ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand."

    Wenige Tage später brachte Rilke eine eben aufgeblühte weiße Rose mit, legte sie in die offene, abgezehrte Hand der Bettlerin und wollte weitergehen.

    Da geschah das Unerwartete: Die Bettlerin blickte auf, sah den Geber, erhob sich mühsam von der Erde, tastete nach der Hand des fremden Mannes, küßte sie und ging mit der Rose davon.

    Eine Woche lang war die Alte verschwunden, der Platz, an dem sie vorher gebettelt hatte, blieb leer.


    Nach acht Tagen saß sie plötzlich wieder an der gewohnten Stelle. Sie war stumm wie damals, wiederum nur wieder ihre Bedürftigkeit zeigend durch die ausgestreckte Hand.

    "Aber wovon hat sie denn in all den Tagen gelebt?" fragte die Französin.
    Rilke antwortete: "Von der Rose..."

    Dienstagsgrüßchen
    von ♥Annette

    AntwortenLöschen
  5. Hach ja...bei uns sieht es im Moment auch so aus. Dazu passt das Gedicht wunderbar.

    Danke, für deine lieben Worte. :-)

    Herzliche Grüße!

    AntwortenLöschen
  6. Super Motiv.
    `Gefällt mir sehr...
    LG, *Manja*

    AntwortenLöschen
  7. Guten Abend liebe Rosabella

    Das Gedicht - einerseits kalt, hart ... und andererseits mit so viel Melancholie, Traurigkeit, Zuversicht und auch wieder Leben ... hm, irgendwie passt es zu einem so verregneten Tag. Und Morgen geht die Sonne wieder auf :-)
    Liebe Grüsse
    Ida
    ... Du Rosabella, ich freu mich sehr drüber, dich als regelmässige Leserin bei mir zu haben. Ein ganz herzliches Willkommen!

    AntwortenLöschen
  8. Liebe Rosabella,

    Sehr schönes Gedicht um so abends beim heimkommen von Atlanta (2½ Stunden hin und 2½ Stunden zurück...) lesen zu können. Es war kalt hier, nur bis 6 Grad aber straffblauer Himmel.
    Es wird Winter...

    Lieber Gruß,

    Mariette's Back to Basics

    AntwortenLöschen


O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!
Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)