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14. November 2010

... liegen noch stiller die stillen Wege




Das Laub, das im Sommer so rauschend sang,
das Laub ist von den Bäumen gestiegen.
Voll stiller Blätter, gelb und braun,
liegen noch stiller die stillen Wege.

Wie Duft von tausend Küssen und Tränen
schweben Nässen über den Blättern,
über den tausend herben Blättern,
die nun sterben.


Max Dauthendey
(1867 – 1918)






an manchen Tagen ist das Bedürfnis, ruhig werden und wieder zu mir finden zu müssen, besonders stark, dann weiß ich, dass es höchste Zeit wird, diesen Ort aufzusuchen ... vielleicht erinnert Ihr Euch, als ich im Sommer schon einmal vom Meditationsweg am nahegelegenen Kreuzberghang erzählte?




weil ich diesen Platz fußläufig gut erreichen kann, ist es möglich, auch zwischendurch dorthin "auszubrechen", und sei es manchmal nur für eine Stunde, um abschalten und mich besinnen zu können ...





gestern nachmittag war ich wieder dort, weil ich seit Tagen spüre, dass mich  eine lähmende Traurigkeit befällt, dass mich schmerzvolle Gedanken an meinen kürzlich verstorbenen Papa quälen





es regnete in Strömen, doch das störte nicht, im Gegenteil, das Plätschern der Tropfen auf die unzähligen Blätter, die um mich herum auf dem Boden lagen, hatte sogar etwas Beruhigendes und klang wie eine zarte  Meditationsmusik im Hintergrund




das Verweilen dort ist jedesmal wie ein tiefes Durchatmen ... wie das Erreichen einer fruchtbaren Oase nach einem langen Marsch durch die Wüste, wie das Stranden nach einem Schiffbruch auf einer kleinen Insel im Meer ...
 




alleine schon das ruhige Sitzen auf der Bank zwischen den alten Bäumen für ein paar Momente holt mich zurück, lässt mich spüren, dass ich da bin, dass ich in diesem Moment als Teil dieser wunderbaren Natur existiere ... und das macht mich zuversichtlich und gibt mir neue Kraft 




bevor ich beim Weggehen diesem Platz den Rücken zuwende, schaue ich auf meinem Weg noch einmal kurz zurück, immer schon in Vorfreude, weil mir in dem Augenblick  klar ist, schon ganz bald wieder herzukommen




gestern nun verließ ich diesen Ort nicht alleine, sondern mit einer prall gefüllten Tüte heruntergefallener Zapfen von Zeder, Lärche, Kiefer und Mammutbaum, die ich aufsammelte ... ich muss sagen, das Sturmtief "Carmen" hat in den letzten Tagen auch hier ganze Arbeit geleistet ;-)

Kommentare:

  1. Liebe Rosabella
    Ein beeindruckender Beitrag mit wertvollen Bilder der Natur...danke!
    Ich kann nicht viel sagen dazu, doch fühle ich viel.....
    Einen sonnigen Sonntag, und dass du ein bisschen Ruhe findest!
    Herzlich Monika

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  2. Ihr habt dort in der Natur einen Mamutbaum, das ist toll. Ein Bekannter hat einen im Garten und ist ganz stolz darauf, die wären wohl in Europa nicht sehr verbreitet. #Dir liebe Grüße
    margit

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  3. Das ist ein wunderschöner Ort um seinen inneren Frieden zu finden.
    Schön wenn man so etwas in der Nähe hat und sich dann dort Kraft holen kann.

    Du wirst Deinen Papa immer vermissen, denn schließlich war er sehr viele Jahre ein wichtiger Mensch für Dich, aber mit der Zeit tut es weniger weh.
    Und das ist ein Trost.

    Liebevolle Grüße
    Beate

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  4. Wunderbar, meine Liebe, dieser Spaziergang mit dir durch diese anmutige Natur. Und Zapfen vom Mammutbaum habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Wo ich als Kind wohnte, gab es mehrere alte Bäume, aber die Zapfen gab es nur selten (oder gab es einfach zu viele Liebhaber)? Die Natur hilft einem immer, mit sich selbst in Einklang zu kommen.
    Schöne Grüße, Johanna

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  5. So ein wunderschöner Baum liebe Rosabella :o)
    Ja, wir hatten schon Schnee, aber der ist schon wieder...zum Glück...vergeschmolzen! Im Oktober kam er schon bei uns runter!!!! Naja, dafür haben wir im Herbst nicht soviel Nebel, weil wir so hoch liegen :o)
    Liebste Grüße sendet dir Marina ♥ die sich jeden Tag an ein paar Dingen freut die hier so bei mir rumliegen ;o) ♥♥♥♥♥

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  6. Liebe Rosabella,

    derzeit "hänge" ich ein bisschen mit allem hinterher. Aber diese Bilder kann ich mir immer wieder ansehen...

    Sei herzlich gegrüßt

    Anke

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  7. Es ist deine kleine Insel im weiten Trauer-Meer.
    Du tust das richtige und doch darfst du dich nicht verschließen. Suche Kontakt zu lieben Menschen, die dich verstehen, einfach "nur" zuhören oder dich in den Arm nehmen. Das hat mir auch geholfen...bei jedem Menschen der uns verlassen hat. Ja, jeder trauert anders...aber bitte, pass auf dich auf. Irgendwann, wenn man es nicht erwartet kommt ein neuer, kleiner Lichtstrahl.

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  8. Liebe Rosabella,

    es tut gut, wenn wir solche ruhigen Orte aufsuchen können
    und unsere Gedankengänge freien Lauf gewähren lassen.
    Du hast Deine Gedanken so ruhig beschrieben und es ist gut
    das wir uns in diesen Zeiten nicht verschließen.
    Auch wenn es uns oft schwer fällt unsere Sorgen und Kummer
    mitzuteilen.
    Fühl Dich umarmt.
    herzlichst, Moni

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O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!
Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)