optimale Seiten-Darstellung bei einer Auflösung von 1280 x 1024 px



2. November 2010

Allerseelen




Geht ein Tag ferne aus, kommt ein Abend.
Brennt ein Stern in der Höhe zur Nacht.
Wehet das Gras. Und die Wege alle
werden in Dämmrung zusammengebracht.


Viele sind über die Steige gegangen.
Ihre Schatten sind ferne zu sehn,
und sie tragen an schwankenden Stangen
ihre Fackeln, die wandern und wehn.


Mauern sind viele, und Gräber, und wenige Bäume.
Manche Tore darin, wo der Lorbeer trauert.
Viele sitzen in Haufen über den Kreuzen,
ihre Lichter behütend, wenn der Regen schauert.


Und ein Rot steckt im Walde, dürr wie ein Finger,
wo der Abend hänget in wolkiger Zeit
mit dem wenigen Licht. Und geringer
rings ist das Nahe, und die Weite so weit.


Doch ewig ist der Wind, der nimmer schweiget
in dunklem Lande, herbstlich schon erbraunet,
der dunkle Bilder viel vorüber zeiget
und dunkle Worte flüchtig trübe raunet.



Gedicht "Allerseelen"
von Georg Heym (1887 – 1912)

Kommentare:

  1. Allerseelen

    Stell auf den Tisch die duftenden Reseden,
    Die letzten roten Astern trag herbei,
    Und laß uns wieder von der Liebe reden,
    Wie einst im Mai.

    Gib mir die Hand, daß ich sie heimlich drücke
    Und wenn man's sieht, mir ist es einerlei,
    Gib mir nur einen deiner süßen Blicke,
    Wie einst im Mai.

    Es blüht und duftet heut auf jedem Grabe,
    Ein Tag im Jahr ist ja den Toten frei,
    Komm an mein Herz, daß ich dich wieder habe,
    Wie einst im Mai.

    Hermann von Gilm (1812-1864)

    http://www.youtube.com/watch?v=vE-lGw_M4n8

    AntwortenLöschen


O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!
Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)