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27. September 2010




Ihm ward des Eingangs grüne Dunkelheit
kühl wie ein Seidenmantel umgegeben
den er noch nahm und ordnete: als eben
am andern transparenten Ende, weit,


aus grüner Sonne, wie aus grünen Scheiben,
weiß eine einzelne Gestalt
aufleuchtete, um lange fern zu bleiben
und schließlich, von dem Lichterniedertreiben
bei jedem Schritte überwallt,

ein helles Wechseln auf sich herzutragen,
das scheu im Blond nach hinten lief.
Aber auf einmal war der Schatten tief,
und nahe Augen lagen aufgeschlagen

in einem neuen deutlichen Gesicht,
das wie in einem Bildnis verweilte

in dem Moment, da man sich wieder teilte:
erst war es immer, und dann war es nicht



Gedicht "Begegnung in der Kastanien-Allee"
von Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

Kommentare:

  1. Wunderbares Bild und wunderbare Worte...
    Mit lieben Gedanken aus der Schweiz

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  2. Du hast es wieder einmal geschafft mich einen Augenblick verschnaufen zu lassen.
    Das wundervolle Bild von der Allee ist wunderschön , ich liebe Alleen, und wie immer die passenden Worte.
    Je mehr ich bei Dir lese umso mehr mag ich Rilke.

    Ich denke ich werde mir mal einen Gedichtband von ihm zulegen.

    Ganz liebe Grüße
    Beate

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  3. Guten Motgen, liebe Rosabella,

    passender hätten Worte und Bild wiedermal nicht sein können...ich mag Alleen so gerne, leider werden sie bei uns in der Gegend immer weniger...

    Hab`einen gemütlichen Herbsttag,
    lieben Gruß,
    Sanne

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  4. Hallo,
    was für ein wunderbares Bild du wieder zu diesem Wortbild gefunden hast. Sehr stimmungsvoll.
    Schöne Grüße, Johanna

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  5. Bild und Worte... paßt perfekt zusammen!
    Danke für die Verschnaufpause, die ich nötig habe!!!
    GGGGLG, Melissa

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  6. Liebe Rosabella,

    ich wurde gerade von der Tiefe der Allee magisch angezogen. Das ist ein Ort, wo frau die Seele entspannen kann...

    Herzlichst

    Anke

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  7. Herrlich!!! Die Gedichte von Rilke sind doch zu schön!! Ich habe ein ganzes Gedichtbuch von ihm, aber dieses habe ich darin noch nicht entdeckt.
    Und das wunderbare Bild lädt direkt zu einem romantischen Spaziergang durch die Kastanienallee ein.

    Sei sehr lieb gegrüßt von Elvira, die dir eine gute Nacht wünscht.

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  8. Liebe Rosabella,

    habe mich sehr über Deinen Besuch gefreut und das Verslein , das habe ich genau wie " Narzissus und Tulipan " im Kindergarten gelernt...
    Durch Dich werde ich wieder daran erinnert...

    hab`♥-lichen Dank dafür und
    eien gute Nacht,
    lieben Gruß,
    Sanne

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O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!
Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)