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27. November 2009

wo Licht ist, ist auch Schatten

Wenn sich der Äther erhebt in hoher heiliger Klarheit, wenn sich ein fließendes Gold über die Erde ergießt, und vor dem strahlenden Gott die Schatten leise zerrinnen, freu't sich der blendende Glanz und das allmächtige Licht. Aber bezaubernder, Freund, erscheint dir die liebliche Gegend - denn dich freut der Kontrast und der gemäßigte Glanz - wenn die Wolke sich hebt und wechselnd auf Täler und Dörfchen, Tannenwälder und Seen dunkle Schattierungen streut, oder der silberne Mond am Berge freundlich hervorsteigt, und der Schatten des Berg's tief in die Täler sich senkt. O, wie die Höhen sich dann in heiligem Schimmer verklären; wie das freundliche Licht heller den Schatten besäumt! - Und doch klagtest du jüngst, dein trauriges Schicksal beweinend, wie des Lebens Gefild' oft, ach! so dunkel dir sei; wie auf der Stellen geliebtester dämmernd ein Schatten sich lagre, oft, nach dem lieblichsten Tag, schwarz dich umgebe die Nacht. Wechsel vergnügt dein Gemüt; es freuet der Wechsel uns alle: freue dich, Glücklicher, doch, daß du nicht glücklicher bist. Gedicht "Licht und Schatten" von Sophie Mereau (1770 - 1806)

Kommentare:

  1. Ein wunderbares Fotos!
    ♥lichst Gabriele

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  2. Vielen Dank, liebe Rosabella, für diese tiefsinnige und poetische Bildsprache, sie passt zur Zeit perfekt in meinen Lebensabschnitt...

    Nur wer auch den Schatten annimmt, kann sich ehrfürchtig dem Lichte hin zuwenden. Ohne Licht kein Schatten, wie wahr!
    Sonnige Grüsse, Vilma

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  3. ...ein schönes Foto und berührende Worte

    Herzlichst Traudi

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  4. Hm, erinnert mich irgendwie an Hölderlin.
    LG queenbee

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O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!
Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)