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14. Oktober 2009

" ... Ein Herbsttag im sterbenden Wald! Da liegt es wie zitternder Feuerschein über allen Wipfeln in der Luft. Über das fahle Grün des moosigen Grundes webt die Sonne eine wundersame Mosaik von goldigen Lichtern und zuckenden Schatten. Wo sie ihren Weg durch das gelbe und rote Laub der welkenden Buchen und Ahornbäume nimmt, scheinen alle Zweige in hellem Brand zu stehen. Und wenn von den Bäumen, durch die ein seufzendes Rauschen gleich dem schweren Atmen eines Sterbenden geht, zuweilen ein welkes Blatt gemächlich zur Erde niederflattert, so ist das anzusehen, als hätte sich von den brennenden Zweigen ein Flämmlein losgelöst, um auf den seidendünnen Fäden zu tanzen, die blitzend und gleißend durch den ganzen Wald gesponnen sind. Die kleinen Vögel huschen mit erregtem Gezwitscher durch die Wipfel, als gält es ein hastiges Abschiednehmen oder ein Sammeln für die kommende Zeit der Not. Käfer schwirren auf und surren wieder hinab in das Versteck der gefallenen Blätter, und zahllose Ameisen kribbeln eilig über Stöcke und Steine, als wüßten sie, daß sie den schönsten Tag mit doppeltem Fleiß zu nützen haben, da schon der nächste Morgen den Winter bringen kann. Und sinkt an solchem Tag die Sonne - welch wundersamen Zauber bringt dann der Abend mit der bunten Dämmerung, mit der sanft verschwimmenden Glut aller Farben, mit der kühlen, lautlosen Schlummerstille des todmüden Waldes. Und steht der neue Tag wieder auf, so sind die Farben noch milder getönt, und über Zweigen und Gräsern schimmert mit Perlenglanz der weiße Reif, der in der kalten Nacht gefallen. ..."
aus der Erzählung "Bergheimat" von Ludwig Ganghofer (1855-1920)

Kommentare:

  1. Was für traumhaft romantische Zeilen, liebe Rosabella!!!! Sie passen so herrlich in diesen kalten Herbsttag und das Bildchen ist auch wunderschön!!!! Machst du Urlaub - wenn ja wünsch ich dir ganz herzlich eine wundervolle Zeit!

    GLG herzlichst Jade

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  2. ein unglaublich schönes Bild und genau die Ruhe und Entspannung und das zu sich selbst Finden wünsche ich Dir!

    liebe Grüße
    veredit

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  3. Liebe Sabine,
    vielen Dank für das stille "Verweilen-Dürfen",
    hierher kann man so wunderbar der Alltagshektik entfliehen...
    Liebste fraeuleins-Grüße
    Yvonne

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O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!
Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)