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3. Juli 2009

Sonnenschein!

Die alten Bäume waren so hoch. Und der Donner ging ab, hinten hinter die Berge. Die Wolken verzogen sich, als würden sie zerpflückt von einer großen Hand. Es regnete nicht mehr, auch das Blitzen ließ der gute Himmel sein. Dafür flog ein Sonnenstrahl durch die zerpflückten Wolken, und andre Sonnenstrahlen folgten. Da traten die alten Leute aus der Tür und gingen durch den Wald zur Lichtung der Sonne entgegen. Die Sonne schob ihre blanke Glatze aus einem dicken Wolkenknäuel heraus – und die Sonnenglatze glänzte. Und dann kam die ganze Sonne wieder in den blauen Himmel hinein – und blendete – und funkelte auf den nassen Blättern der mächtigen Bäume – glizerte auf der sommerbunten Wiese – und machte Alles wieder hell und leuchtend. Die alten Leute standen unter den alten Bäumen – da wo's rausging aufs Feld. Den alten Leuten schien die Sonne ins Gesicht, und sie standen da und hatten sich an die Hand gefaßt und schauten so in die frische Glanzwelt hinein. Sonnenschein!
aus dem Roman "Immer mutig!" von Paul Scheerbart (1863 - 1915)
"Sonnenschein in der blauen Stube" Gemälde von Anna Ancher (1859 - 1935)

Kommentare:

  1. Diesen sonnigen Moment, den wir nach dem fürchterlichen Wolkenbruch gerade hier haben, genieße ich im Augenblick sehr, auch wenn die Umstände nicht so rosig sind.
    Das mit der Glanzwelt stimmt haargenau, alles ist sauber, wie neu, wie frisch geboren, so jungfräulich fast, und ein Glück, dass die Sonnenglatze sich doch immer wieder aus dem schlimmsten Gewitterbauch herausschält!!!
    Sonnige Grüße mit Wehmut, cornelia

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  2. Tolles Gemälde!
    Ich strecke zwischendurch auch meine Glatze der Glatze entgegen ;-)

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  3. ach wie wunderschön das ist !!!
    herzliche Grüße von Kathrin

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  4. Wirklich, ich kann mich da nur meinen Vorgängerinnen anschliessen! Schönes, stimmungsvolles Gedicht.
    Glatze habe ich zum Glück keine...

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O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!
Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)