24. Januar 2015

denke, was schön ist






"Denke, was schön ist,
und fühle, was schön ist."


Paula Modersohn-Becker
(1876 - 1907)




12. Januar 2015

blühst du jetzt erst, holde Rose


Blühst du jetzt erst, holde Rose,
deine Zeit, Kind, ist dahin,
hörst du nicht des Sturms Getose,
siehst du nicht die Vögel ziehn,
siehst du nicht die kahlen Gänge,
von dem Winter abgestreift,
sterbend schläft der Schwestern Menge,
und nichts blühet mehr und reift.

Und du treibst noch frische Blüten,
trotzest der allmächtgen Zeit,
kämpfest mit des Winters Wüten,
ach, zu ungleich ist der Streit.




"Romanze"


Rastlos geht der Drang der Zeiten,
wer entgegensteht, wird Staub,
über seine Asche schreiten
fühllos sie zu neuem Raub.

Als noch aus azurnen Lüften
Phöbus seine Strahlen schoß,
als, umweht von süßen Düften,
sich der Lilie Kelch entschloß.


"Die Spätrose" von Franz Grillparzer (1791 - 1872)

9. Januar 2015

an Rosen such ich mein Vergnügen












an Rosen such ich mein Vergnügen,

an Rosen, die die Herzen ziehn,
an Rosen, die den Frost besiegen
und hier das ganze Jahr durch blühn


aus einem Gedicht von Johann Christian Günther (1695 – 1723)










4. Januar 2015

dulde stumm, was wir dir dunkel tun









Ich liebe dich, du sanftestes Gesetz,
an dem wir reiften, da wir mit ihm rangen;
du großes Heimweh, das wir nicht bezwangen,
du Wald, aus dem wir nie hinausgegangen,
du Lied, das wir mit jedem Schweigen sangen,
du dunkles Netz,
darin sich flüchtend die Gefühle fangen.

Du hast dich so unendlich groß begonnen
an jenem Tage, da du uns begannst, –
und wir sind so gereift in deinen Sonnen,
so breit geworden und so tief gepflanzt,
daß du in Menschen, Engeln und Madonnen
dich ruhend jetzt vollenden kannst.



Laß deine Hand am Hang der Himmel ruhn
und dulde stumm, was wir dir dunkel tun.


Rainer Maria Rilke

1. Januar 2015

Schnee von gestern










"Ich wüßte gern, ob der Schnee die Bäume und die Felder liebt, wo er sie so zärtlich küßt."



Lewis Carroll (1832 - 1898)