Samstag, 21. November 2009

Totensonntag

"Das sind so Tage ... wie ein fremder Zwang liegt es auf deiner Seele und nimmt ihr die Kraft und nimmt ihr die Ruhe und läßt nicht los ... und läßt nicht los.

Es ist wie ein Toten-sonntag über dir und wie das Rauschen schwerer, schwarzer Flügel und dann ganz leise wieder wie die Seufzer einer Herbst-nacht ... als gräme irgendwo ein Mensch sich, den du kennst, in namenloser Angst und Qual und riefe dir ... du weißt nicht, wer? du weißt nicht, wo? ... es ist nur wie ein ungeheurer Jammer um dich her ... und du springst auf, als könntest du suchen ... doch überall steht es wie graue Dämmerung dir entgegen ..."

aus "Das sind so Tage" von Cäsar Flaischlen (1864 – 1920)

Freitag, 20. November 2009

Mondlicht


Adalbert Stifter,
"Mondlandschaft mit bewölktem Himmel", um 1850
- Wien Museum, Schubert-Geburtshaus -


Wie liegt im Mondenlichte
begraben nun die Welt;
sie selig ist der Friede,
der sie umfangen hält!

Die Winde müssen schweigen,
so sanft ist dieser Schein;
sie säuseln nur und weben
und schlafen endlich ein.

Und was in Tagesgluten
zur Blüte nicht erwacht,
es öffnet seine Kelche
und duftet in die Nacht.


aus dem Gedicht "Mondlicht"
von Theodor Storm (1817 - 1888)

Selma Lagerlöf

schwedische Schriftstellerin ("Nils Holgerson")
Literatur-Nobelpreisträgerin
20. November 1858 - 16. März 1940


"Wenn man seinen Weg nicht ganz klar vor sich sieht,
dann tut man am besten, zu schweigen und zu warten."

- Selma Lagerlöf -



Selma Lagerlöf ist eine der bekanntesten Schriftstellerinnen des Landes und gehört zu den schwedischen Autoren, deren Werke zur Weltliteratur zählen. 1909 erhält sie als erste Frau den Nobelpreis für Literatur.

Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf wird 1858 auf Gut Mårbacka in Värmland als Tochter eines Offiziers und Gutsbesitzer geboren. Nach dem Besuch höherer Schulen in Stockholm ist sie von 1885 bis 1895 als Lehrerin in Landskrona tätig. Zu dieser Zeit entsteht ihr Roman „Gösta Berling“, der ihren Ruhm begründet.

Nach einem Stipendium des Königs unternimmt sie ausgedehnte Reisen nach Italien (1895/96), Palästina (1899/1900), Belgien, Deutschland und die Schweiz. Ab 1897 lebt sie als freie Schriftstellerin in Falun.

1904 erhält Selma Lagerlöf die Große Goldmedaille der Schwedische Akademie, 1907 wird ihr die Ehrendoktorwürde der Universität Uppsala verliehen. 1914 wird sie als erste Frau Mitglied der Schwedischen Akademie.

Nach der Verleihung des Nobelpreises für Literatur im Jahre 1909, den sie als erste Frau erhält, kann sie Gutshof Mårbacka zurückkaufen, der durch Misswirtschaft des Vaters der Familie verloren geht.

Selma Lagerlöf kämpft zeitlebens für den Frieden. Zusammen mit Käthe Kollwitz gehört sie 1929 zum Ehrenkommitee der »Konferenz der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit« (IFFF) in Frankfurt. 1940 ermöglicht sie der Nobelpreisträgerin Nelly Sachs die Flucht nach Stockholm und rettete ihr damit das Leben.


Werke unter anderem:

- Gösta Berling (1891)
- Die Wunder des Antichrist (1897)
- Jerusalem (1901/1902)
- Christuslegenden (1904)
- Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgerson
mit den Wildgänsen (1907)

- Aus meinen Kindertagen (1930)



"Das größte Glück ist,
an sich selbst zu glauben."

- Selma Lagerlöf -

Donnerstag, 19. November 2009

"Gefahr"

Ihr spracht zu viel. Ihr liebt, euch zu verbünden,
zu vielen Gleichgesinnten eure Nähe.
Dass keiner nur den andern missverstehe,
rangt ihr so sehr, einander zu ergründen.

Doch darbt ihr. Und so viele sich entzünden
an eurer Art, und ob gleich jeder spähe,
dass ihm die fremde Seele nicht entgehe, –
ihr könnt doch nimmer in dem Einen münden.

Nehmt euch zurück. Und hütet eure Schwelle,
damit ihr nicht zuletzt euch selbst vermisset,
und das verlorne Ich zu spät euch mahne.

aus dem Gedicht "Gefahr" von Hedwig Lachmann (1865 - 1918)

Otto Eckmann

Maler, Grafiker, Typograph und
Entwerfer für Kunsthandwerk
19. November 1865 - 11. Juni 1902




Titelbild des Heftes Nr. 14
der Zeitschrift 'Jugend' (Detail)
aus dem Jahre 1896
von Otto Eckmann



Nach einer kaufmännischen Lehre studiert Otto Eckmann an den Kunstgewerbeschulen in Hamburg und Nürnberg. Von 1885 bis 1890 studiert er Malerei an der Kunstakademie in München. Bis 1894 arbeitet er erfolgreich als Maler, doch nun wendet er sich dem Grafikdesign sowie Entwürfen für das Kunsthandwerk zu, insbesondere für Textilstickereien.

Eckmann folgt mehr und mehr der neuen Kunstrichtung der Zeit, dem Jugendstil und wird einer der seiner wichtigsten Vertreter in Deutschland. Er wird als erster Jugendstil-Künstler von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt berufen, der ihn noch vor Gründung der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe (1900) mit der Ausstattung seines Arbeitskabinetts im Neuen Palais am Wilhelminenplatz beauftragt. Für die Zeitschriften "Pan" und "Jugend" entstehen ab 1895 zahlreiche Illustrationen, die aus Eckmann's Feder stammen.

Otto Eckmann
"Schwertlilien" (1895)
- Fine Arts Museums of San Francisco -



Ab 1896 unterrichtet er als Professor für angewandte Kunst an der Kunstgewerbeschule in Berlin. Um 1900 entsteht "seine" Eckmann-Schrift; es ist eine eigene Schrift, die den Formidealen des Jugendstil entspricht.

Eckmann-Schrift

Otto Eckmann gestaltet nebenbei auch Werbematerialien für die Industrie, so zum Beispiel für die AEG und darüber hinaus Bücher-Titel, Vignetten und Initialien für zahlreiche Verlage. Für die Firma Villeroy & Boch entwirft er Keramikkacheln.

Mittwoch, 18. November 2009

ein bißchen Farbe gefällig?

in meinem Shop gibt's ab sofort
diesen farbenfrohen Vintage-Stoff


Dienstag, 17. November 2009


Annie Louisa Swynnerton
"The sense of sight" (Detail), 1895
- National Museums London -


"Dir - du sehr Schöne, sehr Milde-·
die mich zur Helle geweiht –
Engel! unsterblichem Bilde ...

sie breitet sich hin durch mein Leben
wie salzgetränkte Luft,
dem unersättlichen Streben
bringt sie des Ewigen Duft ..."

aus dem Gedicht "Loblied"
von Stefan George (1868 - 1933)

Agnolo Bronzino

Agnolo di Cosimo di Mariano,
auch Agnolo Tori, genannt Bronzino
italienischer Maler des Manierismus
17. November 1503 - 23. November 1572



Agnolo Bronzino
"Porträt der Lucrezia Panciatichi" (1540)

-
Galleria degli Uffizi, Florenz -


Bronzino war ein Maler von Fresken, Altarbildern, Andachtsbildern und allegorischen und mythologischen Szenen. Er zeichnete sich jedoch vor allem als hervorragender Porträtmaler aus. Wie im Falle Raffaels konnten seine Werke durch die neuen Möglichkeiten der Druckgraphik verbreitet werden. Um 1533 ging Bronzino von Urbino nach Florenz an den Hof der Medici, wo er den Status eines Hofmalers erhielt. Er gehörte dort zu einem kleinen Kreis von Intellektuellen, Literaten und Künstlern.


Agnolo Bronzino
"Allegorie der Liebe" (Detail), 1540/45

- National Gallery, London -

Bronzino war ein sehr gebildeter und belesener Maler, der die Werke der großen humanistischen Autoren des Jahrhunderts, wie zum Beispiel Dante, Pietro Bembo oder Petrarca gut kannte. Er war Autor von Gedichten und Mitglied der Florentiner Akademie.

Vasari schreibt über ihn: "Bronzino war und ist sehr sanftmütig, ein dienstwilliger Freund, angenehm in der Unterhaltung und rechtschaffen in seinem ganzen Tun. Er war freigebig und liebreich in Mitteilung dessen, was er besaß, so sehr als ein edler Künstler gleich ihm es sein kann. Von Gemütsart ruhig, sagte er anderen niemals etwas Beleidigendes und liebte die vorzüglichen Menschen unseres Berufs".
Demnach vereinigte er in sich alle menschlichen und moralischen Qualitäten, die von einem Künstler seiner Zeit erwartet wurden. Sein Spitzname Bronzino ist möglicherweise eine Anspielung auf einen dunklen Teint oder eine rötliche Haarfarbe.
Quelle (auszugsweise): wikipedia.de

.
Agnolo Bronzino
"Die Heilige Familie" (1540/45)
- Staatliches Puschkin-Museum der bildenden Künste, Moskau -

Sonntag, 15. November 2009

let it snow ?!

wie mir scheint, wird allerorts mittlerweile sehnlichst Schnee erwartet, und in vielen Blogs "schneit" es sogar schon, wie ich gesehen habe

ein paar Flöckchen rieseln heute ausnahmsweise auch hier, weil Sonntag ist ;-)))














Fotopostkarten (Ausschnitte), um 1900


Der erste Schnee

Herbstsonnenschein. Des Winters Näh'
verrät ein Flockenpaar;
es gleicht das erste Flöckchen Schnee
dem ersten weißen Haar.

Noch wird – wie wohl von lieber Hand
der erste Schnee dem Haupt –
so auch der erste Schnee dem Land
vom Sonnenstrahl geraubt.

Doch habet acht! mit einem Mal
ist Haupt und Erde weiß,
und Liebeshand und Sonnenstrahl
sich nicht zu helfen weiß.


Theodor Fontane (1819–1898)

Samstag, 14. November 2009

Claude Monet

französischer Maler
14. November 1840 - 5. Dezember 1926



"Die Aufgabe des Künstlers besteht darin, das darzustellen,

was sich zwischen dem Objekt und dem Künstler befindet,
nämlich die Schönheit der Atmosphäre."

- Claude Monet -



Claude Monet,
"Madame Monet im japanischen Kostüm" (Ausschnitt), 1875

- Museum Of Fine Arts, Boston -

Im Alter von fünf Jahren zog Monet mit seinen Eltern von Paris in die Hafenstadt Le Havre. Die Kindheitseindrücke von Hafen, Küste und Meer ließ er später oft in seine Bilder mit einfließen. Als Monet 15 Jahre alt war, zeigte er große Begabung beim Zeichnen von Karikaturen. Dem bekannten Landschaftsmaler Eugène Boudin gefielen diese Zeichnungen, so dass er den jungen Monet oft zum Malen im Freien mitnahm. Im Jahre 1859 ging er entgegen dem Willen seines Vaters nach Paris, um dort Malerei zu studieren. Dort lernte er die Maler Pissaro und Renoir kennen. 1865 stellte der Salon zwei seiner Werke aus.

Tief beeindruckt von Manets "Frühstück im Grünen" malte er ein eigenes "Frühstück im Grünen", das heute nicht mehr vollständig erhalten ist, und weitere Gartenmotive wie die "Frauen im Garten". Dieses Bild wurde von der Jury des Salons nicht mehr angenommen.


Claude Monet, "Frauen im Garten" (1866/67)
- Musée d'Orsay, Paris -

Monet war wie viele andere Impressionisten gebrandmarkt, so dass er anfangs in große Geldnot geriet. Mittlerweile war er mit seiner Frau Camille verheiratet, mit der er einen Sohn hatte. Um seine junge Familie zu versorgen, musste er sich oft Geld von Freunden und Bekannten ausleihen. Seine Eltern waren gegen die Beziehung mit Camille, einer Frau aus einfachen Verhältnissen.

Bei der ersten Impressionisten-Ausstellung im Jahre 1874 fiel das berühmteste Bild der Impressionisten "Impression - Sonnenaufgang" bei den Kritikern durch. In dieser Zeit malte Monet oft im Freien, und die Erfindung der Tubenfarbe kam ihm dabei sehr entgegen.


Claude Monet, "Klippen bei Varengeville" (1882)
- Privatsammlung -


Monet malte immer wieder auf Reisen, die ihn nach Südfrankreich, England, Holland, Norwegen, Spanien und Venedig führten. In London hatte er zusammen mit seinem Freund Pissaro bereits 1870 den englischen Kunsthändler Paul Durand-Ruel kennengelernt. Dieser kaufte viele Bilder von Monet und widmete ihm im Jahre 1883 eine Einzelausstellung, so dass Monet nach und nach berühmt wurde.

Im Jahre 1883 bezog er mit seiner neuen Gefährtin Alice Hoschedé und seinen Kindern ein Haus in Giverny, einem weit abgelegenen Vorort von Paris. Seine erste Frau Camille war 1879 gestorben. Monet kaufte sich 1890 das malerische Grundstück und widmete sich ganz der Gestaltung seines eigenen Gartens. Zusammen mit seiner Familie wandelte er einen Obstgarten in ein Paradies mit Blumenmeeren und Teichen um, in dem sich exotische Pflanzen wie die blassblauen Glycinien, die violette Iris, die aus Mexiko importierten Tuberosen und vor allem die perlmuttschimmernden Seerosen, eine seiner Lieblingspflanzen, befanden.

Über seinen Seerosenteich ließ er eine japanische Holzbrücke bauen, die er immer wieder malte. Vor allem die Gartenbilder fanden großen Gefallen beim Stadtpublikum in Paris, so dass ganze Scharen der Stadtbevölkerung zu Monets Garten pilgerten. Bis zu seinem Tod 1926 malte Monet inmitten seines Paradieses und war sehr glücklich.


Claude Monet, "Seerosenteich" (um 1900)
- National Gallery, London -


"Ich wollte die Natur kopieren, aber ich konnte es nicht.
Ich war jedoch mit mir zufrieden, als ich entdeckte,
daß man die Sonne nicht wiedergeben kann,
sondern daß man sie mit etwas anderem darstellen muß …
mit der Farbe.
"

- Claude Monet -

Freitag, 13. November 2009

"das Laub ist von den Bäumen gestiegen"


Caspar David Friedrich, "Wald im Spätherbst" (1835)
- Angermuseum Erfurt -



Das Laub, das im Sommer so rauschend sang,
das Laub ist von den Bäumen gestiegen.
Voll stiller Blätter, gelb und braun,
liegen noch stiller die stillen Wege.

Wie Duft von tausend Küssen und Tränen
schweben Nässen über den Blättern,
über den tausend herben Blättern,
die nun sterben.

Max Dauthendey
(1867–1918)

Donnerstag, 12. November 2009

Nostalgie im Schaukasten

nachdem ich besagte Buchhülle, die ich eigentlich für die DaWanda-Monatsfarbenaktion genäht hatte, nun selber behalte, habe ich mir etwas anderes überlegt:

zuerst habe ich mir einen kleinen, zweiteiligen Schaukasten aus Holz gebaut; er hat eine Größe von 16 cm x 16 cm x 2,5 cm

es gibt zwei Unterteilungen, so dass ich drei Fächer mit den verschiedensten, zum Teil antiken Kleinigkeiten aus meinem Fundus liebevoll bestücken konnte

zum Vergrößern bitte anklicken


der Kasten hat eine Glasscheibe,
damit das Innenteil mit den Exponaten nicht verstaubt



- Innenteil ohne Deckel -







das ist also mein neuer Beitrag
zur DaWanda-Monatsfarbenaktion
in den Farben Schwarz-Weiß

"Nostalgie im Schaukasten"
- handmade with love by Rosabella -



die weiße Farbe, die ich ganz zu Beginn aufgepinselt habe, wurde zum Schluss wieder etwas abgeschmirgelt; das habe ich übrigens zum ersten Mal gemacht, aber ich finde, es sieht gar nicht so schlecht aus, ziemlich "shabby" halt, doch das passt ja irgendwie

mir hat es viel Spaß gemacht, dieses Unikat zu kreieren, deshalb wird es wohl demnächst noch ein ähnliches geben, dann aber auf jeden Fall "rosiger" ... mal sehen

Auguste Rodin

französischer Bildhauer, Grafiker und Zeichner
12. November 1840 - 17. November 1917



"Malerei, Skulptur, Literatur, Musik
stehen einander viel näher,
als man im Allgemeinen glaubt.
Sie drücken alle Gefühle der menschlichen Seele
der Natur gegenüber aus."

- Auguste Rodin -




Zeichnung nach der von Auguste Rodin
geschaffenen Skulptur "Der Kuss" (um 1890)


Auguste Rodin gehörte zu den Begründern der modernen Bildhauerei und war Schüler von Carrier-Belleuse in Paris. Rodin arbeitete auch für die bekannte Porzellanmanufaktur Sèvres und war in der Zeit von 1871-1878 als Gehilfe des Bildhauers Rasbourg in Brüssel tätig.

In seinem Werk wurde er von den Skulpturen des Künstlers Michelangelo und der Gotik, der romantischen Malerei, hier ist besonders Eugène Delacroix zu erwähnen, später auch vom Impressionismus, Expressionismus (Munch) und den Werken von Edgar Degas beeinflusst.

Auguste Rodin versuchte in seinen Werken stets den seelischen Ausdruck der dargestellten Figuren wiederzugeben. Sein Schaffen wurde entscheidend von seiner Schülerin, Mitarbeiterin und Geliebten Camille Claudel (1864-1943) geprägt.


Auguste Rodin, "Hölle" (ca. 1900/08)
- National Gallery of Art, Washington D.C. -



"Für den echten Künstler ist in der Natur alles schön,
weil seine jede äußere Wahrheit
unerschrocken aufnehmenden Augen darin,

wie in einem offenen Buch,
mühelos jede innere Wahrheit zu lesen vermögen."


- Auguste Rodin -

Mittwoch, 11. November 2009

Martini


El Greco, "Heiliger Martin mit Bettler" (1597/99)
- National Gallery of Art, Washington -


Sankt Martin

Sankt Martin mit viel Rittersleut
wohl übers Feld zum Jagen reit
und als sie kamen an einen Hag,
ein nackter Mann an der Straße lag.
Dem klapperten vor Frost die Zähne,
und an der Wimper fror ihm die Träne.
Er rang die Hände und bat mit Beben:
Sie möchten ihm ein Almosen geben. -
Und all die Ritter zogen fürbaß,
dem nackten Armen gab keiner was;
sie wendeten von ihm das Angesicht,
die Jammergestalt zu schauen nicht.

Der Martin aber sein Roß hielt an:
"Von mir, du Armer, sollst was han!"
Er nimmt sein Schwert und alsogleich
haut er seinen Mantel, gesticket reich
mit Gold und Silber, entzwei in Eil
und gibt dem Nackten den einen Teil,
die andre Hälfte er selber behalt't,
und reitet den andern nach in den Wald.

Und wie den Martinus erblicket die Rott,
überhäufen sie ihn mit Hohn und Spott:
"Da seht nur einmal den Narren an,
teilt sein Kleid mit dem Bettelmann;
der halbe Mantel steht ihm gar schön,
er kann damit zum Bankette gehn,
damit ihn künftig mag jeder kennen,
so woll'n wir den halben Ritter ihn nennen."
Sie lachten und witzelten noch gar viel,
Martinus war all ihres Spottes Ziel. -
Doch wie der Abend zu dämmern beginnt,
so wehet ein kalter schneidiger Wind;
die Ritter hüllen sich alle fein
in ihre großen Mäntel ein
und wollen reiten sogleich von hinnen,
doch konnten sie keinen Ausweg gewinnen,
nur immer tiefer kamen's in den Wald,
und pfiff der Wind noch einmal so kalt;
sie jammerten sehr und vermeinten schier,
sie müßten vor Kälte heut sterben hier.
Martinus nur mit dem halben Kleid,
empfindet's nicht, daß der Wind so schneid,
er lachet über ihr Schnappern und Bangen
und sitzt auf dem Roß mit glühenden Wangen.
Und jetzo ein roserifarbiges Licht
hervor aus der dunkelen Wildnis bricht,
und unter die Starrenden tritt heran
Herr Christ, mit dem halben Kleid angetan,
das jenem Armen Martinus gegeben,
und um ihn herum seine Engelein schweben.
Und Jesus sich zu Martino wendet:
»Ja wahrlich, was Ihr den Armen spendet,
das habet Ihr mir selber gegeben,
und Früchte trägt's Euch im Tod und Leben,
jedwede Wohltat noch so klein,
wird Euch erwärmen und lohnend sein!«

Sie fielen all auf ihr Angesicht,
und Jesus verschwand; doch des Glaubens Licht,
es leuchtete über dem heidnischen Haufen,
sie ließen sich alle zu Christen taufen.

Ignaz Franz Castelli (1781 - 1862)

Dienstag, 10. November 2009

Friedrich von Schiller

deutscher Dichter
10. November 1759 - 9. Mai 1805


"Friedrich Schiller" (1793)
Pastell von Frenzel
nach dem Gemälde von Ludovike Simanowitz



"Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
wir betreten feuertrunken
Himmlische, dein Heiligtum.
Deine Zauber binden wieder,
was der Mode Schwert geteilt;
Bettler werden Fürstenbrüder,
wo dein sanfter Flügel weilt.

Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder – überm Sternenzelt
muß ein lieber Vater wohnen.
Wem der große Wurf gelungen,
eines Freundes Freund zu sein;
wer ein holdes Weib errungen,
mische seinen Jubel ein!
Ja – wer auch nur eine Seele
sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wers nie gekonnt, der stehle
weinend sich aus diesem Bund! ..."

aus:
"An die Freude"
von Friedrich von Schiller


Johann Christoph Friedrich von Schiller kommt im schwäbischen Marbach zur Welt, studiert zunächst Jura, dann Medizin, und erlebt mit 22 Jahren den Durchbruch als Dichter: mit dem Theaterstück "Die Räuber". Er ist mit einem Schlag berühmt, ein Erfolgsautor, dessen Stücke das Publikum erregen und an der Seele packen. Kritiker werfen Schiller übertriebenen Pathos vor. Einige Romantiker sollen lauthals gelacht haben, wenn sie in kleinem Kreis eine Schiller-Ballade vortrugen. Doch im Pathos ist Schillers Geist ganz bei sich selbst: ein Geist, der voller Unruhe, Aufbruchslust und Entdeckungsfreude ist. Das Theater ist für ihn eine moralische Anstalt, die die Menschen erschüttern und schließlich läutern soll.

Schiller hält sich an den von ihm formulierten Grundsatz, der Mensch ist "nur da ganz Mensch, wo er spielt". Menschen brauchen die Kunst, damit sie am Leben nicht zugrunde gehen. Das gilt bis heute: Das Stück "Die Räuber" gehört neben "Kabale und Liebe" zu den am häufigsten aufgeführten Schillerdramen. Auch politische Werke wie "Don Carlos" und "Maria Stuart" kommen regelmäßig auf die Bühne und "Wallenstein" bleibt aktuell; ein Drama über das Zögern in der Politik und Männer ohne Mut.
Quelle (auszugsweise): WDR.de


Menschliches Wirken


An dem Eingang der Bahn liegt die Unendlichkeit offen,
doch mit dem engesten Kreis höret der Weiseste auf.

- Friedrich von Schiller -

manchmal kommt es eben anders

eine Buchhülle im DIN A 5-Format sollte eigentlich mein Beitrag für die DaWanda-Monatsfarbenaktion sein

genäht habe ich sie aus weißem, antiken Leinen und einem Stück einer Leinenbluse, die ich mir im letzten Sommer beim Vorbeigehen an einem Zaun so unglücklich am Ärmel eingerissen hatte, dass ich sie nicht mehr tragen konnte



da ich das gestickte Blumenmotiv auf einem der Vorderteile immer so schön fand, war sie mir zum Entsorgen zu schade, und so fristete sie bis gestern ihr Dasein in meinen Stoffvorräten


mittlerweile verschönert die Hülle ein Kalendertagebuch fürs nächste Jahr und ehrlich gesagt gefällt sie mir selber so gut, dass ich sie nun gar nicht mehr hergeben möchte





da muss ich mir wohl jetzt schnell etwas Neues einfallen lassen ...

Montag, 9. November 2009


"Lächerlich gemacht zu werden
ist die traurigste Form einer Enttäuschung."

Ernst Ferstl, österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker
Quelle : »Zwischenrufe« Libri Books on Demand, Hamburg, 2000

Sonntag, 8. November 2009

schönen Sonntag allen ♥


Albert Joseph Moore (1841-1893)
"Jasmine" (undatiert)

Samstag, 7. November 2009

Lesser Ury

deutscher Maler und Grafiker
7. November 1871 - 18. Oktober 1931



Lesser Ury, "Der blaue Berg" (um 1900/1910)
- Privatsammlung -



Der "vergessene" Künstler aus Berlins bewegter Zeit der Sezession, Lesser Ury, kommt 1871 aus dem kleinen Ort Birnbaum in der damaligen Provinz Posen nach Berlin. Für die Weltstadt empfindet Ury ab dem ersten Moment eine ganz besondere Sympathie. Dies schlägt sich so sehr in seiner Kunst nieder, dass er zu seinem 60. Geburtstag vom Oberbürgermeister Berlins als "künstlerischer Verherrlicher der Reichshauptstadt" geehrt wird.

Ury studiert in Düsseldorf und Brüssel Malerei, sammelt in Paris wertvolle Erfahrungen u.a. bei Lefebvre, erkundet Flandern und München, wo er sich 1886 für kurze Zeit an der Akademie der Bildenden Künste immatrikuliert, bevor er Berlin endgültig zu seinem langjährigen Wohnsitz macht.

Ebenso virtuos wie die Ölmalerei, die den Künstler Blumenbilder, Stillleben, sowie die so typischen Kaffeehaus- und Straßenszenen hervorbringen lässt, beherrscht Ury die Pastelltechnik, die ihm gestattet, Luft- und Lichtspiegelungen der Landschaften nuancenreich darzustellen.


Lesser Ury, "Häuser am Fluss mit einer waschenden Frau" (1894)
- Privatsammlung -


Lesser Ury ist ein Einzelgänger, der in der Kunst seinen eigenen Weg beschreitet, während die Berliner Zeitgenossen Liebermann, Slevogt und Corinth gemeinsame künstlerische Intentionen verbinden. Wohl aus Konkurrenzgründen ist Max Liebermann, dem Präsidenten der Akademie und einflussreichen Wortführer der Kunstszene, der zunehmende Bekanntheitsgrad Ury's, ein Dorn im Auge. Liebermann versucht mit allen Mitteln, dessen Künstlerkarriere zu blockieren. Ury kann erst regelmäßig und erfolgreich in der Sezession ausstellen, als Lovis Corinth Nachfolger Liebermanns wird. Der Künstler wird 1921 Ehrenmitglied der Sezession.

Der Künstler begibt sich in diesem Jahrzehnt mehrmals auf Reisen nach London, Paris und in verschiedene deutsche Städte. Von jeder Reise bringt der Künstler jeweils eine Fülle neuer Bilder mit. Kurz nach einer Parisreise 1928 verschlechtert sich der Gesundheitszustand des Malers durch einen Herzanfall zunehmend. Nationalgalerie und Sezession wollen das Lebenswerk Urys zu seinem 70. Geburtstag ehren, jedoch drei Wochen vorher, stirbt der Künstler in seinem Berliner Atelier.
Quelle: Art Directory


Lesser Ury, "Liegender Akt" (1889)
- Berlinische Galerie -

Donnerstag, 5. November 2009



Wilhelm Maria Hubertus Leibl,
"Die Hände von Leibl's Mutter" (1879)
- Kupferstichkabinett Berlin -


Unter dunklen, treibenden Novemberwolken
verdämmert die Heide.

Gebückt,
am Wegrand,
sitzst du und starrst
auf deine welken Hände.

Lebst du noch?

Gemartert,
im Dornenstrauch,
zittert ein letztes Blättchen!



Gedicht von Arno Holz (1863 - 1929)