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8. Dezember 2016

nur ihre rose steht in frischem glantz allein








"Sie, dennoch sie, mein licht! sie wil beständig seyn.
Ob die zeit sich gleich verändert und die sonne sich versteckt
Und die wüsten felder trauren und das feld mit schnee bedeckt,
Sie dennoch (wie sie schreibt) geht kein verändern ein. 
Die bäume sind entblößt, das wasser hart als stein, 
Der palläste göldne spitzen sind mit grauem reiffleckt, 
Aller blumen welcke blätter, die durchbeiste kält erschreckt. 
Nur ihre rose steht in frischem glantz allein; 
Warum doch wil ich hier verziehen, 
Wo nichts denn unlust ist und kalte winter-lufft, 
Weil sie mir noch, mein licht! zu ihren rosen rufft? 
Ade! ich muss von hinnen fliehen.
Wer länger schmachten wil in scharffer frostes-pein, 
Wenn ihm der frühling rufft, muss es nicht würdig seyn." 


Andreas Gryphius (1616 - 1664)

1. Dezember 2016

je te retiens ...







"Seule, ô abondante fleur, 
tu crées ton propre espace;
tu te mires dans une glace
d'odeur.


Ton parfum entoure commed'autres pétales
ton innombrable calice.
Je te retiens, tu t'étales,
prodigieuse actrice."

Rainer Maria Rilke



29. November 2016

ein Licht ... wie Rosenmilch





" ... es geht ein Licht vom Himmel wie Rosenmilch ... geht durch die leeren Bäume ... seiden die Luft, goldweiß und goldrosig gestrählt ... opalfarben ... zart wie der Atem der Perlen ...... aber über allem bricht rauschend das Licht im Duftguß aus weißem Kern. Steht in weißem Rosa und höher Gold, blasses Silbergold, und blüht entfaltet wie eine Blume ... die kahlen Bäume stehen in der Luft, wie die rosigen Adern auf durchsichtigen Blütenblättern ... es geht aus allem eine nadeldünne Kühle, eine streichelnde Weichheit, wie die Schiller auf kühlen Muschelschalen und Perlmutter ..."


(Max Dauthendey)

27. November 2016

Advent







"Wir wollen nach dir blicken,
o Licht, das ewig brennt,
wir wollen uns beschicken
zum seligen Advent!"


Max von Schenkendorf
(1783 - 1817)

20. November 2016

Totensonntag



"Das sind so Tage ... wie ein fremder Zwang liegt es auf deiner Seele und nimmt ihr die Kraft und nimmt ihr die Ruhe und läßt nicht los ... und läßt nicht los. Es ist wie ein Toten-sonntag über dir und wie das Rauschen schwerer, schwarzer Flügel und dann ganz leise wieder wie die Seufzer einer Herbstnacht ... als gräme irgendwo ein Mensch sich, den du kennst, in namenloser Angst und Qual und riefe dir ... du weißt nicht, wer? du weißt nicht, wo? ... es ist nur wie ein ungeheurer Jammer um dich her ... und du springst auf, als könntest du suchen ... doch überall steht es wie graue Dämmerung dir entgegen ..." (Cäsar Flaischlen, 1864 - 1920)