Mittwoch, 11. November 2009

Martini


El Greco, "Heiliger Martin mit Bettler" (1597/99)
- National Gallery of Art, Washington -


Sankt Martin

Sankt Martin mit viel Rittersleut
wohl übers Feld zum Jagen reit
und als sie kamen an einen Hag,
ein nackter Mann an der Straße lag.
Dem klapperten vor Frost die Zähne,
und an der Wimper fror ihm die Träne.
Er rang die Hände und bat mit Beben:
Sie möchten ihm ein Almosen geben. -
Und all die Ritter zogen fürbaß,
dem nackten Armen gab keiner was;
sie wendeten von ihm das Angesicht,
die Jammergestalt zu schauen nicht.

Der Martin aber sein Roß hielt an:
"Von mir, du Armer, sollst was han!"
Er nimmt sein Schwert und alsogleich
haut er seinen Mantel, gesticket reich
mit Gold und Silber, entzwei in Eil
und gibt dem Nackten den einen Teil,
die andre Hälfte er selber behalt't,
und reitet den andern nach in den Wald.

Und wie den Martinus erblicket die Rott,
überhäufen sie ihn mit Hohn und Spott:
"Da seht nur einmal den Narren an,
teilt sein Kleid mit dem Bettelmann;
der halbe Mantel steht ihm gar schön,
er kann damit zum Bankette gehn,
damit ihn künftig mag jeder kennen,
so woll'n wir den halben Ritter ihn nennen."
Sie lachten und witzelten noch gar viel,
Martinus war all ihres Spottes Ziel. -
Doch wie der Abend zu dämmern beginnt,
so wehet ein kalter schneidiger Wind;
die Ritter hüllen sich alle fein
in ihre großen Mäntel ein
und wollen reiten sogleich von hinnen,
doch konnten sie keinen Ausweg gewinnen,
nur immer tiefer kamen's in den Wald,
und pfiff der Wind noch einmal so kalt;
sie jammerten sehr und vermeinten schier,
sie müßten vor Kälte heut sterben hier.
Martinus nur mit dem halben Kleid,
empfindet's nicht, daß der Wind so schneid,
er lachet über ihr Schnappern und Bangen
und sitzt auf dem Roß mit glühenden Wangen.
Und jetzo ein roserifarbiges Licht
hervor aus der dunkelen Wildnis bricht,
und unter die Starrenden tritt heran
Herr Christ, mit dem halben Kleid angetan,
das jenem Armen Martinus gegeben,
und um ihn herum seine Engelein schweben.
Und Jesus sich zu Martino wendet:
»Ja wahrlich, was Ihr den Armen spendet,
das habet Ihr mir selber gegeben,
und Früchte trägt's Euch im Tod und Leben,
jedwede Wohltat noch so klein,
wird Euch erwärmen und lohnend sein!«

Sie fielen all auf ihr Angesicht,
und Jesus verschwand; doch des Glaubens Licht,
es leuchtete über dem heidnischen Haufen,
sie ließen sich alle zu Christen taufen.

Ignaz Franz Castelli (1781 - 1862)

Dienstag, 10. November 2009

Friedrich von Schiller

deutscher Dichter
10. November 1759 - 9. Mai 1805


"Friedrich Schiller" (1793)
Pastell von Frenzel
nach dem Gemälde von Ludovike Simanowitz



"Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
wir betreten feuertrunken
Himmlische, dein Heiligtum.
Deine Zauber binden wieder,
was der Mode Schwert geteilt;
Bettler werden Fürstenbrüder,
wo dein sanfter Flügel weilt.

Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder – überm Sternenzelt
muß ein lieber Vater wohnen.
Wem der große Wurf gelungen,
eines Freundes Freund zu sein;
wer ein holdes Weib errungen,
mische seinen Jubel ein!
Ja – wer auch nur eine Seele
sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wers nie gekonnt, der stehle
weinend sich aus diesem Bund! ..."

aus:
"An die Freude"
von Friedrich von Schiller


Johann Christoph Friedrich von Schiller kommt im schwäbischen Marbach zur Welt, studiert zunächst Jura, dann Medizin, und erlebt mit 22 Jahren den Durchbruch als Dichter: mit dem Theaterstück "Die Räuber". Er ist mit einem Schlag berühmt, ein Erfolgsautor, dessen Stücke das Publikum erregen und an der Seele packen. Kritiker werfen Schiller übertriebenen Pathos vor. Einige Romantiker sollen lauthals gelacht haben, wenn sie in kleinem Kreis eine Schiller-Ballade vortrugen. Doch im Pathos ist Schillers Geist ganz bei sich selbst: ein Geist, der voller Unruhe, Aufbruchslust und Entdeckungsfreude ist. Das Theater ist für ihn eine moralische Anstalt, die die Menschen erschüttern und schließlich läutern soll.

Schiller hält sich an den von ihm formulierten Grundsatz, der Mensch ist "nur da ganz Mensch, wo er spielt". Menschen brauchen die Kunst, damit sie am Leben nicht zugrunde gehen. Das gilt bis heute: Das Stück "Die Räuber" gehört neben "Kabale und Liebe" zu den am häufigsten aufgeführten Schillerdramen. Auch politische Werke wie "Don Carlos" und "Maria Stuart" kommen regelmäßig auf die Bühne und "Wallenstein" bleibt aktuell; ein Drama über das Zögern in der Politik und Männer ohne Mut.
Quelle (auszugsweise): WDR.de


Menschliches Wirken


An dem Eingang der Bahn liegt die Unendlichkeit offen,
doch mit dem engesten Kreis höret der Weiseste auf.

- Friedrich von Schiller -

manchmal kommt es eben anders

eine Buchhülle im DIN A 5-Format sollte eigentlich mein Beitrag für die DaWanda-Monatsfarbenaktion sein

genäht habe ich sie aus weißem, antiken Leinen und einem Stück einer Leinenbluse, die ich mir im letzten Sommer beim Vorbeigehen an einem Zaun so unglücklich am Ärmel eingerissen hatte, dass ich sie nicht mehr tragen konnte



da ich das gestickte Blumenmotiv auf einem der Vorderteile immer so schön fand, war sie mir zum Entsorgen zu schade, und so fristete sie bis gestern ihr Dasein in meinen Stoffvorräten


mittlerweile verschönert die Hülle ein Kalendertagebuch fürs nächste Jahr und ehrlich gesagt gefällt sie mir selber so gut, dass ich sie nun gar nicht mehr hergeben möchte





da muss ich mir wohl jetzt schnell etwas Neues einfallen lassen ...

Montag, 9. November 2009


"Lächerlich gemacht zu werden
ist die traurigste Form einer Enttäuschung."

Ernst Ferstl, österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker
Quelle : »Zwischenrufe« Libri Books on Demand, Hamburg, 2000

Sonntag, 8. November 2009

schönen Sonntag allen ♥


Albert Joseph Moore (1841-1893)
"Jasmine" (undatiert)

Samstag, 7. November 2009

Lesser Ury

deutscher Maler und Grafiker
7. November 1871 - 18. Oktober 1931



Lesser Ury, "Der blaue Berg" (um 1900/1910)
- Privatsammlung -



Der "vergessene" Künstler aus Berlins bewegter Zeit der Sezession, Lesser Ury, kommt 1871 aus dem kleinen Ort Birnbaum in der damaligen Provinz Posen nach Berlin. Für die Weltstadt empfindet Ury ab dem ersten Moment eine ganz besondere Sympathie. Dies schlägt sich so sehr in seiner Kunst nieder, dass er zu seinem 60. Geburtstag vom Oberbürgermeister Berlins als "künstlerischer Verherrlicher der Reichshauptstadt" geehrt wird.

Ury studiert in Düsseldorf und Brüssel Malerei, sammelt in Paris wertvolle Erfahrungen u.a. bei Lefebvre, erkundet Flandern und München, wo er sich 1886 für kurze Zeit an der Akademie der Bildenden Künste immatrikuliert, bevor er Berlin endgültig zu seinem langjährigen Wohnsitz macht.

Ebenso virtuos wie die Ölmalerei, die den Künstler Blumenbilder, Stillleben, sowie die so typischen Kaffeehaus- und Straßenszenen hervorbringen lässt, beherrscht Ury die Pastelltechnik, die ihm gestattet, Luft- und Lichtspiegelungen der Landschaften nuancenreich darzustellen.


Lesser Ury, "Häuser am Fluss mit einer waschenden Frau" (1894)
- Privatsammlung -


Lesser Ury ist ein Einzelgänger, der in der Kunst seinen eigenen Weg beschreitet, während die Berliner Zeitgenossen Liebermann, Slevogt und Corinth gemeinsame künstlerische Intentionen verbinden. Wohl aus Konkurrenzgründen ist Max Liebermann, dem Präsidenten der Akademie und einflussreichen Wortführer der Kunstszene, der zunehmende Bekanntheitsgrad Ury's, ein Dorn im Auge. Liebermann versucht mit allen Mitteln, dessen Künstlerkarriere zu blockieren. Ury kann erst regelmäßig und erfolgreich in der Sezession ausstellen, als Lovis Corinth Nachfolger Liebermanns wird. Der Künstler wird 1921 Ehrenmitglied der Sezession.

Der Künstler begibt sich in diesem Jahrzehnt mehrmals auf Reisen nach London, Paris und in verschiedene deutsche Städte. Von jeder Reise bringt der Künstler jeweils eine Fülle neuer Bilder mit. Kurz nach einer Parisreise 1928 verschlechtert sich der Gesundheitszustand des Malers durch einen Herzanfall zunehmend. Nationalgalerie und Sezession wollen das Lebenswerk Urys zu seinem 70. Geburtstag ehren, jedoch drei Wochen vorher, stirbt der Künstler in seinem Berliner Atelier.
Quelle: Art Directory


Lesser Ury, "Liegender Akt" (1889)
- Berlinische Galerie -

Donnerstag, 5. November 2009



Wilhelm Maria Hubertus Leibl,
"Die Hände von Leibl's Mutter" (1879)
- Kupferstichkabinett Berlin -


Unter dunklen, treibenden Novemberwolken
verdämmert die Heide.

Gebückt,
am Wegrand,
sitzst du und starrst
auf deine welken Hände.

Lebst du noch?

Gemartert,
im Dornenstrauch,
zittert ein letztes Blättchen!



Gedicht von Arno Holz (1863 - 1929)

Mittwoch, 4. November 2009

"Feuer und Flamme"

beim erstmaligen "Experimentieren" mit Organzastoff und Wärme waren einige Versuche nötig ... mittlerweile gibt es jedoch ein paar ansehnliche Ergebnisse


hauchzarte Rosenblüten


mal sehen, was ich nun mit ihnen anstelle ...




"Du herrlichste aller, o weiße Rose,
du zarte und reine, du makellose,
die taugeschmückt, im Schneegewand,
am Morgenstrahl zum Blühn erstand,
du bebst, weil ein Hauch dich schon entstellt,
dir im Berühren die Krone zerfällt ..."

aus dem Gedicht "Die weiße Rose"
von Anastasius Grün (1808 -1876)




"Ein reizendes Wesen,
kaum geformt oder gar gestaltet,
eine zarte Rose,
gehüllt in all ihre süßesten Blätter."

Lord Georges Byron (1788 - 1824)


Fotopostkarte, um 1900

Montag, 2. November 2009

Allerseelen



" ... Gib mir die Hand, daß ich sie heimlich drücke
und wenn man's sieht, mir ist es einerlei,
gib mir nur einen deiner süßen Blicke,
wie einst im Mai.

Es blüht und duftet heut auf jedem Grabe,
ein Tag im Jahr ist ja den Toten frei,
komm an mein Herz, daß ich dich wieder habe,
wie einst im Mai."


aus dem Gedicht "Allerseelen"
von Hermann Rosenegg (1812 - 1864)

Sonntag, 1. November 2009

Die Rose im November

" ... Feuchte Lüfte haben sie erzogen,
dennoch trotzte sie mit innrer Kraft,
still und schweigend kalten Nebelwogen,
und des Sturmes wilder Leidenschaft ..."




aus dem Gedicht "Die Rose im November"
von Charlotte von Ahlefeld (1781–1849)

Samstag, 31. Oktober 2009

"Karo" im Herbstwind

ab und an muss auch Karo, der kleine, vor langer Zeit von Hand genähte blau-weiß-karierte Teddy, in die Waschmaschine, doch das findet Karo eigentlich gar nicht schlimm, denn danach auf der Wäschespinne im Garten fühlt Karo sich "pudel"wohl, hält sein Näschen dabei in den Herbstwind und dreht sich sogar manchmal im Kreis herum



wenn man genau hinsieht, kann man gut erkennen, dass es Karo dabei richtig gut geht, selbst mit der Klammer am Ohr, egal, tut ja nicht weh



und wenn Karo ein wenig übermutig wird, klettert er wie ein Zirkusartist ohne Sicherung an den Leinen herum



ehrlich gesagt ist das meiner Tochter aber überhaupt nicht recht, und bevor er gar noch abstürzt, rettet sie ihn ganz schnell und setzt ihn wieder in ihr Bett, dorthin, wo er zu Hause ist, bei anderen Kuscheltieren, und das nun schon seit vielen Jahren

mittlerweile platzt er im wahrsten Sinne des Wortes bereits aus allen Nähten, hat hier und da ein Wehwehchen, doch das macht nichts, Karo wird heiß und innig geliebt, und ich sage Euch, glücklicherweise wehte der Herbstwind heute so stark, dass Karo mittlerweile schon wieder getrocknet ist



unglaublich, was hier manchmal im Garten geschieht, wenn ich es nicht mit eigenen Augen sehen würde, ich könnte es kaum glauben ;-)

Jan Vermeer van Delft

holländischer Maler
31. Oktober 1632 - 15. Dezember 1675



Jan Vermeer van Delft,
"Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge" (1665)
- Mauritshuis, Den Haag -



Jan Vermeer van Delft ist einer der bekanntesten holländischen Maler des Barock. Er wirkte in der Epoche des Goldenen Zeitalters der Niederlande, in der das Land eine politische, wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit erlebte.



Jan Vermeer van Delft,
"Briefleserin in Blau" (1662–1664)

- Rijksmuseum, Amsterdam -



Der Umfang des Gesamtwerkes von Jan Vermeer ist mit heute bekannten 37 Bildern sehr klein, wobei aus alten Auktions-aufzeichnungen weitere Titel überliefert sind.
Die ersten Werke Vermeers waren Historienbilder, bekannt geworden ist er jedoch für seine Genreszenen, die einen Großteil seiner Arbeiten ausmachen.

Eine ausführliche Beschreibung über Leben und Werk Vermeers findet sich bei Wikipedia.

heute morgen um kurz nach 7.00 Uhr

offenbarte sich mir beim Hinausschauen aus dem Fenster
dieses wunderbare Naturschauspiel:



über dem herbstlich gefärbten Laub des Kirschbaumes
lag ein gewaltiges Morgenrot,
wie ich es schon lange nicht mehr sah ...




"Weit, unermeßlich - du verzehrst die Erde!
Und in dem Schweigen nur der Flug der Seelen,
die säuselnd heimziehn durch die stille Luft. -"

Gedicht "Gewalt'ges Morgenrot" (1841)
von Joseph von Eichendorff



Freitag, 30. Oktober 2009

Angelika Kauffmann

Schweizer Malerin
30. Oktober 1741 - 5. November 1807


Angelika Kauffmann zählt zu den erfolgreichsten Künstlerinnen der Geschichte. Ihr Einfluss auf zeitgenössische und nachfolgende Künstlerinnen, ihr materieller Erfolg und nicht zuletzt ihre Werke waren außergewöhnlich.


Angelika Kauffmann, "Selbstporträt" (1784)
- Neue Pinakothek, München -

Als Kind geht sie mit ihrem Vater, einem Bregenzer Maler, auf Wanderschaft durch Italien und lernt von ihm die Basis des Handwerks. Sie wächst ihm künstlerisch im Nu über den Kopf und erhält schon sehr früh Porträtaufträge, denn das Porträtieren war die Domäne der Künstlerinnen.


Angelika Kauffmann, "Juliane von Krüdener und ihr Sohn Paul" (1786)
- Louvre, Paris -


In Rom trifft sie J. J. Winckelmann, unter dessen Einfluss sie den Klassizismus und damit eine ganz andere Themenwelt kennen lernt. Ihr Talent ist groß und wird bewundert, und mit 13 Jahren wird sie in die renommierte Accademia di San Luca aufgenommen.

1766 siedelt sie um nach London, wo ihre klassizistischen Themen den Nerv der Zeit und den Geschmack des Publikums treffen. Auch hier ist sie außerordentlich erfolgreich, „the whole world is angelicamad”, sagt ein Zeitgenosse. Sie wird in die neugegründete Royal Academy of Art gewählt als eine von zwei Frauen für die nächsten 200 Jahre. Tatsächlich ist auch heute noch die Kauffmann-Rezeption in England am größten.


Angelika Kauffmann, "Venus und Adonis" (1786)

Aber 1781 verlässt sie London und geht mit ihrem Ehemann Antonio Zucchi wieder zurück nach Rom, wo sie bis zu ihrem Tod ein geselliges, der Kunst und den Künstlerinnen gewidmetes Leben führt. Zu ihrem engsten Freundeskreis zählt Goethe, durch den die Nachwelt Angelika als „lieb und gut” kennen lernt.
Quelle (auszugsweise): fembio.org

Alfred Sisley

französischer Maler englischer Herkunft,
Mitbegründer und wichtigster Vertreter
des französischen Impressionismus
30. Oktober 1839 - 29. Januar 1899



Alfred Sisley, "Waliser Küste im Nebel" (1887)
- Musée des Beaux-Arts, Rouen -

1862 trat Sisley in Paris in das Atelier des Malers Charles Gleyre ein, wo er Pierre-Auguste Renoir und Claude Monet kennen lernte, mit denen er sein ganzes Leben lang befreundet blieb.

Zu Sisleys ersten künstlerischen Vorbildern zählten die englischen Landschaftsmaler des frühen 19. Jahrhunderts wie William Turner, John Constable und Richard Parkes Bonington, deren Bilder er in London kennenlernte, später die französischen Maler Jean-Baptiste-Camille Corot und Gustave Courbet. Im Pariser Salon von 1867 stellte er erstmals ein eigenes Gemälde aus, wandte sich aber etwa ab 1870 zunehmend den Impressionisten und ihrem Malstil zu.


Alfred Sisley, "Wiese in By" (1880)
- Museum of Art, Baltimore -

Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1871 verlor Sisley's ihr Vermögen, das bis dahin auch zur Unterstützung des Malers diente. Er blieb von da an bis zu seinem Tod mittellos, auch wenn er einige Bilder verkaufen konnte, unter anderem an Édouard Manet und an den Sänger Jean-Baptiste Faure. Diesem Umstand und der Unterstützung durch den Kunsthändler Paul Durand-Ruel und den Kritiker Théodore Duret verdankt er es, dass er seine Familie und sich finanziell über Wasser halten und sich zumindest Malutensilien und Farben kaufen konnte.

1874 beteiligte er sich mit fünf Landschaftsbildern an der Ersten Impressionisten-Ausstellung. 1879, von finanzieller Not getrieben, versuchte er es nochmals mit dem Salon, was mit einem Misserfolg endete: Sein eingereichtes Bild wurde von der Jury abgewiesen. 1882 beteiligte er sich zum letzten Mal, mit 27 Gemälden, an einer Gruppenausstellung der Impressionisten.


Alfred Sisley, "Ufer der Seine im Herbst" (1879)
- Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt -

Sisley galt - im Gegensatz zu anderen Impressionisten - als schüchtern. Er erlangte zu Lebzeiten niemals die künstlerische Beachtung, die er verdiente und starb im Jahre 1899 völlig verarmt an Krebs.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

ein Foto hab' ich noch

die Strandspaziergänge dauern gewöhnlich immer ziemlich lange, da stellt sich zwischendurch schon mal der kleine Hunger ein

glücklicherweise gibt es selbst zu dieser Jahreszeit noch Strandcafés, die geöffnet haben und in denen man sich gemütlich niederlassen und sich kulinarisch verwöhnen lassen kann

wie sich unschwer auf dem Foto erkennen lässt, bereite ich mich hier gerade ganz andächtig auf den ersten Bissen des hausgemachten Apfelkuchens vor, der dort am leckersten schmeckt ... wenn es dann noch frische Schlagsahne dazu gibt, ist mein Glück perfekt :-)

dann sind da noch diese Motive

die man entdeckt, wenn man die Wege verlässt, die alle gehen ... ich liebe diese "stillen" Impressionen, solche, nach denen man suchen muss, weil sie sich dem Auge nicht direkt aufdrängen ...



















auch das gehört dazu: städtische "Farben-Spiele"






























"Westkapelle Laag"



mein Lieblings-Leuchtturm in Zeeland: der erste runde, gußeiserne Leuchtturm der Niederlanden, 20 Meter hoch, entworfen von Quirinus Harder, gebaut 1875, seit 1876 (bis heute) in Betrieb, steht an der westlichsten Spitze von Walcheren in der Nähe von Westkapelle und bildet als Unterfeuer zusammen mit dem Seefeuer von Westkapelle eine Richtfeuerlinie für die Einfahrt in die Westerschelde







"... flammt wie von hundert
Fackeln der Leuchtturm,
leuchtet und kündigt
Richtung dem Seemann,
Rettung und Landung.
Dumpf in die Wellen
murmelt der erzne
Atlas des Meeres,
der wie ein Schutzgeist
doppelte Leuchter
über sein Haupt hält ..."

aus dem Gedicht "Der Leuchtturm"
von Hermann von Lingg (1820–1905)

Montag, 26. Oktober 2009

immer und immer wieder

faszinieren sie mich, diese "stummen Gesellen" (in den Niederlanden sagt man Paalhoofden dazu), denen man ständig während stundenlanger Spaziergänge am Strand begegnet


zum Vergrößern bitte Fotos anklicken

ich mag das von Wind, Sonne und Wasser gebleichte und glatt geriebene Holz ihrer Hüllen, die verschiedenen Farben, die sie tragen, die teilweise sehr markanten Maserungen, die für mich kleinen Kunstwerken gleich kommen

jeder Pfahl erzählt seine eigene Geschichte, und deshalb kommt es nicht selten vor, dass ich manchmal ganz lange bei ihnen verweile

auch in diesem Jahr habe ich sie fotografiert, es geht gar nicht anders, denn sie zeigen sich mir auf vielfältigste Weise und präsentieren Seiten, die sich im Laufe der Zeit verändern und die es immer wieder aufs Neue zu entdecken gilt ...